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Tag der offenen Moschee Delmenhorster Moscheen werben für die eigene Sache

Von Frederik Grabbe | 04.10.2018, 09:11 Uhr

Delmenhorst Der Tag der offenen Moschee dient dazu, Vorbehalte gegenüber dem Islam abzubauen. Einigen Gemeindevertretern zufolge scheint das auch dringend nötig zu sein.

Ein Zeichen für eine offene, tolerante Gesellschaft haben am Mittwoch die drei islamischen Gemeinden in der Stadt gesetzt. Beim Tag der offenen Moschee luden sie zum Kennenlernen ein. Dabei wurde teilweise deutlich, dass die überregionale Berichterstattung über den Islamischen Staat oder die Flüchtlingskriminalität auch Einfluss auf das Verständnis des Islam in den hiesigen Gemeinden hat.

Rechtfertigungsrolle beklagt

„Religiosität – individuell, natürlich, normal“ – so lautete das Motto des Aktionstages. Ein Satz, der den Wunsch vieler Muslime ausdrückte, ihrer Religion endlich frei von äußeren Vorbehalten nachgehen zu können. Wie Ahmet Arslan, Sprecher der Mevlana-Gemeinde, sagte, baue gerade die Boulevardberichterstattung um Vorkommnisse wie islamistische Attentate oder um Chemnitz ein Bild des Islam in der Öffentlichkeit auf, das mit dem muslimischen Leben vor Ort absolut nichts zu tun habe. „Ständig befinden sich Muslime in einer Rechtfertigungsrolle“, klagte Arslan. Es sei schade, dass vor diesem Hintergrund die vielen positiven Aspekte in den Gemeinden untergingen. So organisiert bei Mevlana etwa der 16-Jährige Mehmet Emin Öksuz regelmäßige Treffen, in denen sich Jugendliche mit Inhalten des Glaubens befassen und so Vorbildrollen einnehmen sollen. Jeweils bis zu 40 Beteiligte kommen in zwei Gruppen wöchentlich zusammen. So wolle man junge Menschen von der Straße holen und eine Beschäftigung nach der Schule bieten, sagte der Vorsitzende Zafer Ciftci, der beim Aktionstag ein ausgesprochen freundliches Zusammenkommen mit den Besuchern erlebte.

„Diese Arbeit dringt oft nicht nach außen“

Diese Kritik, dass in die Öffentlichkeit die positiven Beiträge der Gemeinden kaum durchdringen, teilte auch Güral Atsiz. Der Generalsekretär der Ditib-Moschee erzählte Besuchern beim Aktionstag zum Beispiel davon, wie sich seine Gemeinde für Flüchtlinge oder Osteuropäer einsetzt. „Die Behörden sind oft überfordert. Wir leisten Unterstützung, wenn Hilfsbedürftige denken, sie kommen alleine nicht weiter.“ So habe Atsiz in Fällen von Schulverweigerung oder bei Schwierigkeiten mit dem Kindergeld vermitteln können. „Diese Arbeit dringt oft nicht nach außen, weil wir sie auch oft nicht nach außen tragen“, merkte Atsiz selbstkritisch an. Der Tag der offenen Moschee sei darum gut geeignet, um Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache zu betreiben, wenngleich jederzeit die Menschen in den Moscheen willkommen seinen.

Interesse an der Religion

Die Kritik eines schiefen Bilds des Islam in der Öffentlichkeit wollte Kesim Özkan vom Delmenhorster Integrations- und Bildungsverein (DIBV) an der Bremer Straße nicht kommentieren. „Politische Themen vermeiden wir möglichst. Unsere Moschee ist ein Ort der Religion, nicht der Politik.“ Demzufolge seien die Besucher, vom Andrang bei den Führungen war Özkan dieses Jahr leicht enttäuscht, eher an religiösen Fragen wie nach den Säulen des Islam interessiert gewesen, schilderte er.