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Tagesaufenthalt als Anlaufpunkt Zahl der Wohnungslosen in Delmenhorst steigt stetig

Von Marco Julius | 30.01.2018, 17:15 Uhr

Die Zahl der Menschen, die ohne eigene Wohnung in Delmenhorst leben, steigt. Im Tagesaufenthalt für Wohnungslose finden sie Unterstützung.

Die Zahl der Menschen, die wohnungslos in Delmenhorst leben, ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Zwar gibt es keine konkrete Statistik, doch die Sozialpädagoginnen Katrin Kriesche-Radtke und Kerstin Bartling vom Tagesaufenthalt für Wohnungslose an der Willmsstraße 6 verweisen auf Zahlen, die den Anstieg belegen. So haben im Jahr 2014 104 Wohnungslose von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Tagesaufenthalt als Postanschrift zu nutzen – vor allem für Briefverkehr mit Behörden. 2015 waren es 130, 2016 dann bereits 210. Für das vergangene Jahr gehen die Mitarbeiterinnen des Tagesaufenthaltes von einer ähnlich hohen Zahl aus. In Delmenhorst gibt es lediglich bei ihnen die Möglichkeit, eine Postanschrift zu bekommen. Für eine Stadt von der Größe Delmenhorsts sei die Zahl der Wohnungslosen vergleichsweise hoch.

Geschützeter Raum

Der Tagesaufenthalt unter dem Dach der Diakonie ist als geschützter Raum eine wichtige und stark frequentierte Anlaufstelle für Wohnungslose. Essen, duschen, Wäsche waschen, sich einfach austauschen und vor allem fachliche Beratung: Das Angebot ist so vielfältig wie die Geschichten der Besucher. Hilfe beim Umgang mit Behörden, die Vermittlung von medizinischer Hilfe und die Vermittlung in eine eigene Wohnung oder die städtische Notunterkunft gehören dazu.

Verdeckte Wohnungslosigkeit

Der klassische Berber, der von Stadt zu Start zieht, sei dabei immer wenig anzutreffen, erläutert Kriesche-Radtke. Überhaupt sei Obdach- und Wohnungslosigkeit in Delmenhorst öffentlich wenig sichtbar. „Es gibt eine hohe verdeckte Wohnungslosigkeit. Das bedeutet, es gibt viele Menschen ohne eigenes Mietverhältnis, die aber nicht unter freiem Himmel schlafen, weil sie mal hier, mal da unterkommen, etwa bei Freunden“, erläutert Bartling. Notdürftig sei das oft, die Sozialpädagogin spricht von „wackligen Verhältnissen“, die jederzeit von der Wohnungs- zur Obdachlosigkeit führen könnten. Der hohe Druck auf dem hiesigen Wohnungsmarkt sei spürbar, gerade durch den Zuzug von Flüchtlingen und Menschen aus osteuropäischen EU-Staaten. Auch die Schließung der Wollepark-Blöcke habe das Problem geschärft. „Es gibt zu wenig Wohnraum. Es fehlen die klassischen Sozialwohnungen, gerade auch für Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte“, klagt Kriesche-Radtke.

Anteil der Frauen steigt

Die Zahl der Frauen unter den Wohnungslosen nimmt laut Bartling zu, auch wenn die Männer noch immer den Großteil stellen. Im Tagesaufenthalt kommen Menschen aus den unterschiedlichsten Generationen und Schichten zusammen. Willkommen sei jeder. Die Ursachen für Wohnungslosigkeit seien vielfältig. Der Jobverlust stehe noch immer oben an. Aber auch Schicksalschläge Probleme in der Beziehung oder der Familie sowie Suchtproblematiken seien oft Auslöser.