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Tankbetrüger verurteilt 86.000 Liter Diesel illegal in Delmenhorst gezapft

Von Kai Hasse | 17.01.2018, 18:13 Uhr

Das Delmenhorster Amtsgericht hat zwei Männer wegen Betrug an der Zapfsäule verurteilt. Sie hatten zulasten eines Transportunternehmens Diesel im Wert von über 89.000 Euro von Stuhrer und Delmenhorster Tankstellen gezapft.

Nach Tankbetrug im großen Stil sind ein 59-jähriger Bremer und ein 41-jähriger Cuxhavener vom Amtsgericht Delmenhorst zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Taten fanden zwischen November 2013 und November 2015 an Delmenhorster und Stuhrer Tankstellen statt. Der Schaden betrug fast 90.000 Euro.

Tanken auf Kosten der Firma

Geschädigt war eine Logistik-Firma der Region. Sie hatte dem als LKW-Fahrer angestellten 41-Jährigen eine Tankkarte für seine Arbeit gegeben. Mit ihr hatte der Mann aber auch den ihm bekannten Bremer tanken lassen – somit unberechtigt auf Kosten des Unternehmens. Zunächst nahm er dafür selbst Geld pro Liter, jeweils unter dem regulären Dieselpreis. Später überließ er dem 59-Jährigen zeitweise ganz die Karte. Der Bremer ließ mit ihr wiederum andere Menschen tanken, nahm dafür Geld und gab dem 41-Jährigen den größten Teil des Geldes weiter. So lautete die Anklage, und beide räumten die Taten vor Gericht ein. Insgesamt wurden in den beiden Jahren über 86.000 Liter Diesel gezapft.

„Ich habe immer eine Quittung bekommen“

Die Aussagen der beiden Angeklagten unterschieden sich im Detail. Der Bremer gab zunächst an, er habe auf Initiative des LKW-Fahrers gehandelt und im guten Glauben, das sei legal: „Natürlich dachte ich, das sei in Ordnung. Ich habe ja immer eine Quittung bekommen“, sagt er. Der Cuxhavener habe ihn ermutigt, mehr Diesel mit der Karte zu verkaufen. Der Cuxhavener sah das etwas anders: Ihm sei das in der Form nicht wirklich recht gewesen. Der Bremer räumte später ein, dass er selbst seine Zweifel an der Rechtmäßigkeit gehabt habe.

Offene Reue des 41-Jährigen

Durch das Tanken entstand dem Unternehmen ein Schaden von 89.458 Euro Schaden – 3727 Euro pro Monat des Tatzeitraums. Das Unternehmen geriet dadurch in wirtschaftliche Probleme. Dass nicht früher bemerkt wurde, dass es unrealistische Dieselrechnungen gab, habe an einer Krankheit in der Geschäftsleitung gelegen, hieß es im Gerichtssaal. Schließlich flog die Sache doch auf, und wie im Gericht geschildert, räumte der 41-Jährige die Tat sofort ein, unterschrieb ein Schuldeingeständnis und bemüht sich seitdem bereits vor der Verhandlung mit hohen Zahlungen für eine Wiedergutmachung, obwohl er selbst am Existenzminimum lebt. „Er hat große Schuldgefühle, er steht dafür ein“, sagte seine Verteidigerin Ursula Strohsahl und bat offen um eine milde Strafe. Die offenkundige Reue hielten ihm Staatsanwaltschaft und das Schöffengericht unter Vorsitz von Melanie Hübel zugute. Der Bremer kommentierte zu Ende des Prozesses: „Ich bitte um Entschuldigung. Ich verstehe, was ich gemacht habe.“

Bewährung auf drei Jahre

Das Strafmaß fiel dann auch mild aus. Hübel und die Schöffen sprachen wegen erwerbsmäßigen Betrugs und Beihilfe zu erwerbsmäßigen Betrug im Fall des Bremers eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren für den Bremer und einem Jahr für den LKW-Fahrer aus – jeweils zur Bewährung auf drei Jahre.