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Tanzaktion auf dem Marktplatz Delmenhorst setzt Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Von Marco Julius | 14.01.2016, 16:46 Uhr

Ein schwungvolles Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen soll am Sonntag, 14. Februar, weltweit gesetzt werden.

Ein schwungvolles Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen soll am Sonntag, 14. Februar, weltweit gesetzt werden. „One Billion Rising“ („zu deutsch: Eine Milliarde erhebt sich“) heißt die weltumspannende Tanzaktion, an der sich erstmals auch Delmenhorst beteiligt. „Eine Milliarde Frauen und Männer erheben sich, tanzen zusammen und zeigen: ,Wir nehmen Gewalt gegen Mädchen und Frauen nicht hin, wir zeigen unsere Kraft und Solidarität!‘“, kündigt Petra Borrmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Mitglied im Orga-Team für den Delmenhorster Beitrag, an.

Feministin aus New York als Initiatorin

Urheberin der Aktion, die 2013 erstmalig Menschen aus über 200 Ländern auf allen Erdteilen in Bewegung brachte, ist die New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler, die mit ihrem viel beachteten Theaterstück „Vagina Monologe“ für Frauenrechte und gegen sexuelle Gewalt Position bezog.

Die Milliarde (englisch: billion) steht im Titel der Protestaktion für die statistische Aussage der UN, dass jede dritte Frau, das sind eine Milliarde Frauen weltweit bei einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden, alltäglich mit Gewalt konfrontiert werden oder am direkten Leibe erfahren, berichtet Bormann. Über 603 Millionen Frauen leben demnach in Ländern, in den etwa häusliche Gewalt nicht als Verbrechen gilt. Sie erleben Belästigungen, Missbrauch, Vergewaltigung, Zwangsheirat oder werden zur Prostitution gezwungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau weltweit im Alter zwischen 15 und 44 Jahren vergewaltigt wird oder häusliche Gewalt erfährt, ist höher als an Krebs oder Malaria zu erkranken, an einem Verkehrsunfall beteiligt zu sein oder durch Krieg betroffen zu sein, das belegen UN-Studien, sagt Borrmann.

Gewalt mache nicht vor den Toren der Stadt Delmenhorst Halt, sagt auch Ruth Steffens vom Kriminalpräventiven Rat (KPR), ebenfalls im Orga-Team. Man habe sich ganz bewusst für eine Beteiligung an der Tanzaktion und nicht für eine normale Demo entschieden, um ein Zeichen zu setzen, dass sinnlich erfahrbar sei.

Delmenhorster sollen tanzen

Mädchen und Jungen, Frauen und Männer sind am Sonntag, 14. Februar, aufgerufen, sich ab 11.30 Uhr zahlreich auf dem Marktplatz zu versammeln. Dort spielt zunächst die Frauen-Sambagruppe Sambrassa, ehe es Grußworte von Bürgermeisterin Antje Beilemann, Petra Borrmann und Jörn Stilke, Leiter der hiesigen Polizeiinspektion, gibt. „Und dann geht es richtig los. Nach einer Choreografie, die ganz leicht und schnell zu erlenen ist, werden alle Teilnehmer weltweit und auf dem Marktplatz einen Tanz aufführen“, sagt Borrmann. Sollte es regnen, steht die Markthalle für die Aktion offen. Ein Training brauche es dafür nicht, wer dennoch üben möchte, hat dazu drei Gelegenheiten: am 21. Januar, 18.30 Uhr, im Gemeindehaus „Zu den Zwölf Aposteln“, am 26. Januar, 18 Uhr, im Familienzentrum Villa und am 28. Januar, im Nachbarschaftszentrum Wollepark. An der Aktion beteiligen sich auch die Jugendhilfestiftung, der Fachdienst Jugendarbeit, der Mädchenarbeitskreis GeSa, die Streetworker der Diakonie, die Integrationslotsen und der Stadtsportbund.

Gewalt hat viele Gesichter

Zur Situation in Delmenhorst im Bereich Gewalt gegen Frauen und Mädchen führte Borrmann aus, dass es 2014 274 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt gegeben habe. Jede dritte betroffene Frau habe einen Migrationshintergrund gehabt. 2015 sei diese Zahl bereits im dritten Quartal erreicht worden. Zudem gäbe es bei Gewalt eine hohe Dunkelziffer, weil viele Fälle nicht zur Anzeige gelangen. Borrmanns Fazit: „Gewalt hat viele Facetten: Alltägliche Belästigungen, Übergriffe, Vergewaltigungen – auch in unserer Stadt.“