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Taten mit Smartphone dokumentiert Delmenhorster missbraucht neunjährige Nichte

Von Alexander Schnackenburg | 14.10.2015, 18:55 Uhr

Seit Mittwoch steht ein 23-jähriger Delmenhorster wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner Nichte vor Gericht. Er hat seine Taten per Smartphone umfassend dokumentiert.

Geschlechts-, Anal- und Oralverkehr mit einem neunjährigen Mädchen, dazu das Verbreiten von pornografischen Fotos, Videos und Schriften: Das Landgericht Oldenburg hat am Mittwoch den Prozess gegen einen 23-jährigen Delmenhorster eröffnet, den die Staatsanwaltschaft des schweren sexuellen Missbrauchs seiner Nichte beschuldigt. Der Angeklagte zeigte sich geständig, konnte oder wollte sich aber an kaum ein Detail erinnern.

Fotos und Videos von den Taten

Dabei hat er vieles peinlich genau dokumentiert: in Form von Fotos und Videos, die er zwischen November 2012 und Dezember 2013 mit seinem Smartphone aufgenommen hatte, ebenso wie durch einen E-Mail-Wechsel im Chat mit einem Schulfreund, welcher ihn offenbar zusätzlich angestachelt hatte.

Mit Missbrauch geprahlt

In abscheulich drastischen Sätzen hatte der Angeklagte – wie aus den Aussagen hervorgeht – immer wieder vor seinem Freund mit dem Missbrauch der Nichte geprahlt – und seine Schilderungen mit zahlreichen Videos und Nacktfotos unterfüttert. Das Gericht schloss die Öffentlichkeit gestern zur Sichtung des Materials aus, um bald darauf, sichtlich erschüttert, mit der Vernehmung des Angeklagten fortzufahren.

Immer wieder brach der 23-jährige, der bei seiner Mutter lebt, während der Verhandlung in Tränen aus. „Ich weiß gar nicht, was ich damals gedacht habe“, sagte er . Oder auch: „Ich verstehe mich manchmal selber nicht.“ Sein Verteidiger sprach von Schamgefühl, aus welchem heraus sein Mandant vieles verdrängt habe.

Richter zweifelt an Gedächtnislücken

Der Richter dagegen formulierte Zweifel an den Gedächtnislücken: „Ich glaube Ihnen nicht, dass Sie sich nicht erinnern können“, so der Richter.

Aufgeflogen war der Angeklagte, nachdem der Vater des Opfers die Fotos und Videos auf dem Handy seines Bruders entdeckt hatte. Offenbar hatte der psychisch behinderte Angeklagte, den am Mittwoch auch psychiatrische Gutachter befragt haben, sein Verhältnis zur Nichte als Liebesbeziehung wahrgenommen. Das Gericht will klären, wie das Mädchen den Missbrauch empfunden hat – und stützt sich dabei auf Vernehmungsvideos der Polizei sowie auf Zeugenaussagen. Die Richter wollen das heute knapp zwölfjährige Kind nicht vorladen, um weiteren Schaden von ihm abzuwenden. Das Landgericht setzt die Verhandlung am 22. Oktober, fort.