Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Tatort Delmenhorst Diebesbande ist vor Gericht weitgehend geständig

Von Ole Rosenbohm | 07.03.2017, 22:01 Uhr

Nicht leicht, den Überblick zu behalten in diesem Prozess gegen sechs angeklagte Rumänen wegen schweren bandenmäßigen Diebstahl am Landgericht Oldenburg. 35 Prozesstage bis Mitte August sind angesetzt, bis zu zwölf Zeugen pro Termin geladen. Die Vorsitzende Richterin Judith Blohm scheint aber alles gut in die Reihe zu bekommen.

Denn nach drei Verhandlungstagen sieht es so aus, dass der Prozess über 35 Einbruchsdiebstähle viel schneller beendet sein wird.

Vier der sechs Männer im Alter von 25 bis 38 Jahren haben die ihnen von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Einbrüche in Kioske, Tankstellen, Supermärkte oder Tabakfachgeschäfte in Delmenhorst, Bremen und Umgebung bereits vollständig zugegeben, bei einem weiteren ist nur ein angeklagter Fall strittig. Und der sechste Angeklagte benötigt noch Beratung – sein Verteidiger ist derzeit erkrankt.Moderate Strafen in Aussicht

Die Grundlage für die Geständnisse legten Gericht und Verteidiger in zwei längeren Rechtsgesprächen. Ergebnis: Geben die Angeklagten die Taten zu, dürfen sie mit relativ moderaten Haftstrafen von drei bis vier Jahren rechnen. Einer bekäme zwei Jahre auf Bewährung.

Der dritte Prozesstag bot Einsichten ins Innenleben der Bande: Mal zu zweit, zu dritt oder zu viert verabredeten sich die Männer, eher spontan als lang geplant. Einen Chef gab es nicht. Die erbeuteten Zigaretten verkauften sie an einen Hehler für etwa die Hälfte des Normal-Preises.

Das Geld wurde gleichmäßig auf die Tat-Beteiligten verteilt. Mal waren es nur hundert Euro Gewinn, einmal verstauten sie Zigarettenstangen im Wert von 20.000 Euro im Wagen. Kam ein Polizeiauto zufällig vorbei, brachen sie den Einbruch sofort ab. Ein Angeklagter gab am Dienstag über ein Dutzend Einbrüche zu, ein anderer zwei.

Zeugenliste kann schrumpfen

Nach den Einlassungen kann die Zeugenliste jetzt enorm schrumpfen. Vielleicht werden schon im April die Urteile gesprochen, vermuten einige Anwälte – vier Monate früher eigentlich als geplant.