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Theater im Kleinen Haus Komödie mit TV-Stars überzeugt in Delmenhorst nicht

Von Alexander Schnackenburg | 08.10.2015, 14:01 Uhr

Die Schauspieler Nora von Collande und Herbert Herrmann tragen die Komödie „Anderthalb Stunden zu spät“. Sie können aber Schwächen des Stücks nicht kaschieren.

Es bedurfte keiner hellseherischen Fähigkeiten, um den Zuschauern, zumindest dem Großteil, anzumerken, dass sie das Thema berührte. Die – auch durch das Fernsehen - bekannten Schauspieler Nora von Collande und Herbert Herrmann der „Komödie am Kurfürstendamm“ konfrontierten sie am Mittwochabend im Kleinen Haus mit Gérald Sibleyras’ und Jean Dells „Anderthalb Stunden zu spät“, einer durchaus hintersinnigen Komödie in deutscher Erstaufführung, die um die zweite Hälfte einer durchaus glücklichen Ehe kreist.

Keine Lust auf das Rentnerdasein

„Zweite Hälfte“ deswegen, weil das letzte dreier Kinder soeben ausgezogen ist und das Ehepaar seine Schäfchen auch in wirtschaftlicher Hinsicht im Trocknen weiß: Pierre hat in 30 Jahren als Steueranwalt viel Geld verdient und ist gerade dabei, seine Anteile an der Kanzlei für noch mehr Geld zu veräußern. Das bisherige Leben der beiden ist so gut verlaufen, dass sich nun unausweichlich die Sinnfrage erhebt: Wofür noch leben? Gerade Laurence, deutlich jünger als ihr Mann, fühlt sich noch zu jung, um sich auf das Rentnerdasein zu freuen. Sie will mehr, als nur Bridge spielen.

Während der gesamten Vorstellung diskutieren die beiden über mögliche Perspektiven, lassen ihr gemeinsames Leben zudem Revue passieren. Ansonsten passiert nichts – außer, dass Pierre und Laurence „eigentlich“ gar keine Zeit haben, um den Sinn des Lebens zu ergründen. Sie sind zum Essen eingeladen, kommen eben „Anderhalb Stunden zu spät“.

Stück gänzlich ohne Wendung

Herrmann, nicht nur Darsteller, sondern auch Regisseur des Stücks, hat die Dialoge, das liebevolle Spiel der Ehepartner, auf der Einheitsbühne einer schicken High-Society-Wohnung routiniert in Szene gesetzt. Die Zuschauer sehen klassisches Schauspielertheater, das trägt. Ein entscheidendes Defizit des Stücks aber können sie nicht kaschieren: So hübsch die stets leicht ironischen Dialoge, so lebensnah das Thema, so sehr mangelt es der Story doch an Fallhöhe. Denn schon früh merkt der Zuschauer, dass zwischen Pierre und Laurence nichts anbrennen wird und die beiden auch keine spektakulären Pläne schmieden werden. Da keine weiteren Figuren mitwirken, bleibt das Stück somit ohne Wendung: gepflegte Langeweile.