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Theater in Delmenhorst „Ein Volksfeind“ als Umwelt-Krimi auf der Bühne

Von Marco Julius | 23.10.2015, 16:54 Uhr

Eine moderne Variante des Ibsen-Stücks „Ein Volksfeind“ steht auf dem Programm im Kleinen Haus. In der Hauptrolle ist Rufus Beck zu sehen.

Eine Produktion der Theatergastspiele Kempf steht am Montag, 2. November, um 20 Uhr auf dem Spielplan des Kleinen Hauses. „Ein Volksfeind“ heißt das Schauspiel, das Rainer Erler nach Henrik Ibsen entwickelt hat. Das Delmenhorster Publikum darf sich besonders auf den Schauspieler Rufus Beck freuen, der in der Rolle des Bade-Arztes Dr. Thomas Stockmann zu sehen ist.

Badearzt im Gewissenskonflikt

Zur Handlung: Was soll er tun, der Badearzt Dr. Thomas Stockmann, der besorgt Wasserproben an die Universität nach Oslo sendet und von dort Gewissheit erhält: das Wasser der viel gerühmten Heilquellen ist verseucht. Eine Veröffentlichung dieser Tatsache würde den aufkeimenden Wohlstand des kleinen Kurortes Karlskrona vernichten. Soll er sich seinem Freund, dem Redakteur Hovstad (Manuel Klein) anvertrauen, der angeblich die liberale Volksmeinung vertritt? Oder seinem Bruder, dem Landrat und Kurdirektor Thorsten Stockmann (Michael Rast), der nur für seine politische Karriere lebt? Die Wahrheit muss ans Licht, meint der aufrechte Arzt. Die Zeitung erhält ihre Skandalstory und der gutgläubige Arzt viel Ärger. Er, der die Macht der Wahrheit in Händen hält, wird von der Wahrheit der Macht geknechtet. Als Spielball der Mächtigen beginnt er einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen eine korrupte Clique, die jedes Mittel einsetzt, um ihn in der Öffentlichkeit zu diffamieren und mundtot zu machen.

Erler modernisiert Ibsens Stück

Rainer Erler zeigt in seiner Neufassung (Regie führt Christoph Brück) alle Facetten einer „ehrenwerten Gesellschaft“ und ihrer Machtmechanismen. Er redet ins Gewissen, ohne zu predigen. Erler modernisierte Ibsens „Ein Volksfeind“, ein Drama, das der norwegische Dramatiker vor mehr als 100 Jahren schrieb, und dessen Uraufführung 1883 in seinem Heimatland heftige politische Dispute auslöste. Was Ibsen in seinem „Volksfeind“ anprangert, ist heute noch lebendig: Korruption, Gewinnsucht, Vetternwirtschaft.