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Theater Kantinenromantik und Backpfeifen

Von Frederik Grabbe | 11.01.2015, 19:29 Uhr

Er verführt Frauen in Reihe – bis er eines Tages Opa wird. Am Samstag feierte im Kleinen Haus das Stück des Niederdeutschen Theaters „Romeo ward ok nich jünger“ Premiere.

Delmenhorst. Und plötzlich ist er Großvater: Alexander Fischer (Heinrich Caspers) genießt sein Leben als alleinstehender, älterer Herr. Vorzugsweise verführt er jüngere Frauen. Doch eines Tages taucht seine Tochter Vicky (Gesa Mahlstedt) bei ihm auf. Mit dabei: Ihr Sohn, Fischers Enkel. Fortan bröckelt sein Selbstverständnis als ewiger Verführer. „Romeo ward ok nich jünger“ heißt das neue Stück des Niederdeutschen Theaters Delmenhorst (NTD), das am Samstag eine gelungene Premiere feierte.

Fischers Masche ist immer die gleiche: Moon River von Sinatra und Champagner sollen die jeweils aktuell Angebetete – in dem Stück die Schauspielkollegin Gisi (Alena Vosteen) – in Wallung bringen. Dazu die umgarnende Beteuerung: „Als du in die Kantine gekommen bist, hat mich der Blitz getroffen.“

Sein Leben als Romeo aufrecht zu erhalten ist mit Enkelsohn Alexander, Beiname „Der Lüttsche“, allerdings nicht leicht. Als dessen alleinstehende Mutter Vicky ihr Leben sortiert, muss der frischgebackene Opa als Aufpasser ran. Eine Tätigkeit, die er nach anfänglichem Widerwillen mit Begeisterung annimmt. Gleichzeitig winkt Fischer eine große Rolle in einer TV-Serie. Der Part käme ihm gerade recht. Schließlich liegt die Karriere der ehemaligen Filmgröße schon länger brach: „Die Filmfritzen haben schon länger nicht mehr angerufen.“ Als Grund dafür macht Fischer sein Alter aus: So versucht er vor einem Gespräch mit einer Filmagentin (Helga Fleckenstein), durch Backpfeifen seinen Teint aufzuhübschen. Um sich wieder ins Gespräch zu bringen, steckt er der Zeitung, er wäre Großvater geworden – was ihm die Schelte seiner Tochter.

Das Stück lebt vor allem durch seine liebenswerten Charaktere. Bei allem Zampanogehabe ist Fischer vor allem eins: sympathisch. Schnell wirft er sich ins Dasein des kümmernden Großvaters. Er kann es gar nicht abwarten, seinem Enkel die „Buddel“ zu geben. Den Lütschen zu betüddeln, stellt Neu-Opa Fischer fest, ist eben doch schöner, als immer nur den ewigen Romeo raushängen zu lassen. In den weiteren Rollen stechen unter anderem Marion Rose als tratschende Haushälterin, oder Hajo Steinberg als Fischers resignierender Manager heraus, der von seiner Frau betrogen wurde.

Letzten Endes wendet sich alles zum Guten, als er in der Filmagentin eine alte Liebe wiederentdeckt. Und wieder ertönt passenderweise Sinatras „Moon River“.