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Theateraufführung in Delmenhorst Millers „Hexenjagd“ besticht durch erschreckende Aktualität

Von Jasmin Johannsen | 17.10.2018, 20:42 Uhr

Ein Klassiker der amerikanischen Literatur hat am Dienstag im Kleinen Haus das Publikum zum Nachdenken angeregt. „Hexenjagd“ von Arthur Miller zeigte eindrücklich, wie zerbrechlich die Demokratie ist.

„Das Gericht ist gerecht.“ Doch wie kann es dazu kommen, dass eine Denunziation genügt, um jemanden an den Galgen zu bringen? Arthur Millers „Hexenjagd“ beschäftigt sich mit eben dieser Frage. Der Klassiker der amerikanischen Literatur wurde am Dienstag vor rund 300 Zuschauer und Zuschauerinnen im Kleinen Haus aufgeführt. Die Inszenierung ließ das Publikum mit ihren Bezügen zur heutigen Gesellschaft nachdenklich zurück.

Neben „Tod eines Handelsreisenden“ gehört die „Hexenjagd“ wohl zu den bekanntesten Werken Millers. Verfasst wurde es in der McCarthy-Ära, als in den USA Jagd auf vermeindliche Kommunisten und deren Sympathisanten gemacht wurde. Inspiration für sein Drama fand Miller in der Geschichte der amerikanischen Ostküstenstadt Salem. Hier hatte im 17. Jahrhundert eine wahre Hysterie geherrscht, infolgedessen über 400 Menschen der Hexerei oder Mittäterschaft beschuldigt und 20 hingerichtet wurden.

Mühlen der Justiz mahlen

Folglich spielt Millers Stück auch in Salem: John Proctor (Wolfgang Seidenberg) beginnt eine Affäre mit seiner jugendlichen Abigail Williams (Hannah Prasse). Weil sich der Ehebrecher aber wieder besinnt und seine Frau Elizabeth (Iris Boss) nicht verlassen will, setzt die unglücklich Verliebte auf Hexerei. Elizabeth soll sterben, darum wird der Teufel in der Nacht von den Mädchen der Stadt angerufen. Bei ihrem nackten Tanz durch den Wald werden sie allerdings von dem Pfarrer Samuel Parris (Ralf Grobel) ertappt. Die Mädchen versuchen sich vor den Konsequenzen zu schützen, fallen in Ohnmacht und werden von „unsichtbaren Geistern“ geschüttelt. Sie geben an, dass sie von einigen Frauen in der Stadt verhext wurden und werden so zu Anklägerinnen. Der Großgrundbesitzer Putnam (Carsten Klemm) drängt auf einen Prozess. Nur der Pastor und Hexenexperte John Hale (Christan Meyer) durchschaut die Posse und erhebt mahnend seine Stimme. Allerdings ist es da schon zu spät. Die Mühlen der Justiz mahlen und sind ohne Gesichtsverlust der Mächtigen nicht mehr aufzuhalten. So werden die Urteile verhängt und die Beschuldigten zum Galgen geführt.

Anerkennender Applaus

Diskriminierung, Verfolgung, Unterdrückung – Miller behandelt in „Hexenjagd“ vielfältig die Folgen von Intoleranz. Ganz fern erscheint die Handlung auch in heutigen Zeiten nicht. In Trumps Amerika, Erdogans Türkei oder Orbáns Ungarn werden für selbstverständlich erachtete Rechte außer Kraft gesetzt und Andersdenkende verfolgt. Demokratische Werte sind auch heute noch in Gefahr.

Und so mahnt Seidenberg in seiner Rolle als Proctor: „Hexen gab es schon damals nicht. Aber noch immer ist die Welt in der Gewalt von Jägern.“ Dafür gab es von dem Publikum anerkennenden Applaus.