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Der Bär ist los in der Divarena Wenn Vaddern Oberschienen statt Auberginen kauft

Von Niklas Golitschek | 26.05.2019, 11:55 Uhr

Nicht jeder Witz des Comedian Thorsten Bär zündete in Aber mit zwei Elementen punktete er beim Publikum.

So viele Stimmen von Prominenten waren auf der Bühne der Divarena in Delmenhorst selten zu hören. Ob Udo Lindenberg, Lukas Podolski oder Mario Barth – am Freitag- und Samstagabend klang es, als wären sie alle da. Doch auf der Bühne stand ein Alleinunterhalter: Stand-up-Comedian Thorsten Bär. Der Wahl-Hamburger war zu Gast mit seinem Programm „Der Bär ist los“.

Recht geringer Tiefgang

Eben diese Imitationen machen einen erheblichen Teil seines Programms aus, wenn er sein Publikum mit auf eine Schiffsreise mit allerlei bekannten Gesichtern nimmt. Deren Stimmen Bär erstaunlich genau: In Tonlage, Aussprache und auch in Mimik. Karikiert mit leicht erkennbaren Merkmalen, etwa Udo Lindenberg und Eierlikör, Bruce Darnell und seine Tränen oder Mario Barth und sein „kennste?!“ – sie alle machten diese Reise für Bär zu einem nervtötenden Ereignis. Und für das Publikum zu einem unterhaltsamen Erlebnis. Der Tiefgang war dabei recht gering bemessen, in den seichten Gewässern bewegte sich der Komiker dafür sicher; allein so viele verschiedene Charaktere in eine halbwegs stimmige und humorvolle Geschichte zu verpacken, ist als kreative zu würdigen. Zumal er mit einer Leichtigkeit zwischen Charakteren hin- und hersprang, als würden sie alle neben ihm sprechen. Dass da nicht jeder einzelne Gag als Randbemerkung voll zündet? Geschenkt.

Flexible Stimmbänder

Bär hat jedoch noch mehr zu bieten als flexible Stimmbänder. Auch zwischen den einzelnen Dialekten wechselte er gekonnt und nahm allerlei Vorurteile aufs Korn. Dabei machte er auch vor seiner hessischen Herkunft nicht Halt. Gerade seine Schilderungen über die familiären Querelen mit seinem „Vadder Schosch“ und die stark unterschiedlichen Begabungen verpackte er in amüsante Wortspiele und humorvolle Alltagssituationen. „Er ist Feinmechaniker, ich bin Grobmotoriker“, stellte Bär die Rollenverteilung schnell klar, um dann den Vater von seinen handwerklichen Fertigkeiten wie ein Specht mit Gummischnabel reden zu lassen. Oder wenn dieser Auberginen einkaufen soll und stattdessen Oberschienen im Baumarkt besorgt. Mit eben solchen kleinen Anekdoten hatte Bär in dem knapp zweistündigen Programm seine stärksten Momente. Für den Komiker sind diese nach eigenem Bekunden auch leicht zu bekommen: „Wenn ich zwei Tage zuhause bin, habe ich drei neue Programme – das ist kein Witz!“

Man kann lachen – muss aber nicht

Dazu gab der Alleinunterhalter kleine Gesangseinlagen und nutzte auch immer wieder Situationskomiken geschickt, wenn er das Publikum in seine Show einbezog. Ein Paar, das nicht sicher war, ob es nun drei oder fünf Jahre verheiratet war, war für Bär natürlich gefundenes Fressen. Auch über den HSV konnte er sich als Wahl-Hamburger und bekennender Fan köstlich auslassen. Auf eine Zuschauerreaktion versprach er dabei: „Wenn er SV Atlas nächste Saison gegen den HSV spielt, mache ich den Flitzer!“ Die weiteren humoristischen Ausflüge in den Hamburger Raum missglückten allerdings. Etwa, als Bär die Herbertstraße im Rotlichtbezirk auf St. Pauli als Shopping Mall für Männer bezeichnete. Das fiel eher in die Kategorie: Darüber kann man lachen – muss man aber nicht. So reagierte auch das Publikum. Nach den verhaltenen Reaktionen auf einen weniger lustigen Witz über Stripperinnen räumte auch Bär ein, dass es womöglich noch zu früh am Abend sei. Oder er solche Gags vielleicht im Jahr 2019 besser aus seinem Programm streicht, wenn er ein breites Publikum unterhalten will.