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Todespfleger Niels Högel Delmenhorster OB prangert „Versagen von Handelnden“ an

Von Thomas Breuer | 29.08.2017, 13:57 Uhr

Im Zuge der Aufarbeitung der Högel-Morde sieht Delmenhorsts Oberbürgermeister Axel Jahnz auch ein „Versagen von Handelnden“ in den betroffenen Krankenhäusern.

Die Nachricht, dass der Todespfleger Niels Högel in Oldenburg und Delmenhorst mutmaßlich 84 weitere Morde begangen hat, ist von Oberbürgermeister Axel Jahnz am Dienstagvormittag mit deutlichen Worten kommentiert worden. In einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch sagte er: „Man sieht in dem gesamten Verfahren das Versagen von Handelnden.“ Das System sei grundsätzlich zu hinterfragen.

Qualifizierte Leichenschau als eine Maßnahme

Jahnz sagte aber auch: „Ich gehe davon aus, dass so etwas nie wieder passiert.“ Im heutigen Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) als Rechtsnachfolger des städtischen Klinikums Delmenhorst werden nach seinen Worten alle entsprechenden Maßnahmen eingeleitet. Dazu zählt er unter anderem eine akribische Überwachung der Medikamentenausgabe und die Anfang März aufgenommene qualifizierte Leichenschau, um frühzeitig auf Auffälligkeiten bei Todesfällen aufmerksam zu werden. Bis Ende Juni wurden laut JHD etwa 90 dieser Schauen vorgenommen.

Veränderungen auch im Klinikum Oldenburg

Auch im Klinikum Oldenburg gebe es Veränderungen. „Der jetzige Geschäftsführer nimmt ja eine ganz andere Position ein“, so Jahnz. Aus Oldenburg war Högel nach Auffälligkeiten quasi nach Delmenhorst weggelobt worden.

In seinem nachdenklichen und emotionale gefärbten Statement wiederholte Jahnz die Forderung, die Beschäftigten des Delmenhorster Krankenhauses nicht unter Generalverdacht zu stellen. Sie leisteten eine gute Arbeit. Drei seinerzeit Beschäftigte sehen allerdings einem Prozess entgegen, weil sie nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft eine Mitschuld tragen könnten.

Oberbürgermeister ist „tief erschüttert“

Was der bereits in sechs Fällen verurteilte Mörder Niels Högel getan habe, sei „unglaublich“. Der Oberbürgermeister ist nach eigenen Worten „tief erschüttert“ und „überzeugt, dass das Thema Delmenhorst noch auf Jahre begleiten wird“. Er erneuerte sein ausdrückliches Beileid für die Hinterbliebenen, „sofern das angenommen werden kann“.