Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Totschlag in Delmenhorst Wollepark-Prozess: Zeuge belastet Angeklagten

Von Jan Eric Fiedler, Alexander Schnackenburg | 17.10.2016, 18:43 Uhr

Der ältere der beiden Angeklagten im Wollepark-Prozess gibt an, der 19-Jährige habe die tödlichen Schläge ausgeführt. Ein Zeuge deckt seine Aussage.

Im Prozess gegen einen 19- und einen 29-Jährigen wegen des Vorwurfs der Körperverletzung mit Todesfolge ist die Luft für den jüngeren der beiden Angeklagten vor dem Landgericht Oldenburg am Montag deutlich dünner geworden. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern vor, am 14. Februar dieses Jahres im „Wollepark“ einen 54-Jährigen in einer leerstehenden Wohnung zu Tode geschlagen und getreten zu haben.

Älterer Angeklagte belastet den jüngeren

Hatte der jüngere Angeklagte den älteren am ersten Verhandlungstag schwer belastet und ihm die Tat im Wesentlichen in die Schuhe geschoben, so ergab sich aufgrund der gestrigen Zeugenaussagen ein ganz anderes Bild der Ereignisse. So teilte nun auch der zweite Angeklagte – wenn auch ausschließlich über seinen Anwalt – seine Version der Ereignisse mit.

Die meiste Zeit habe er schwer betrunken auf einer Matratze gelegen und geschlafen, so der 29-jährige. Neben dem jüngeren Angeklagten und ihm seien zwei weitere Männer in der Wohnung gewesen. Zwischen diesen Dreien sei ein Streit entbrannt, von dem er wach geworden sei. Trotz der Dunkelheit - in der Wohnung habe es keinen Strom gegeben - habe er dank des einfallenden Lichts der Straßenlaternen gesehen, wie der eine Mann am Kopf verletzt gewesen sei, während das Opfer aus der Nase geblutet und schnarchende Laute von sich gegeben habe. Der zweite Angeklagte habe irgendetwas hinter seinem Rücken verborgen.

Lückenhafte Schilderung des 29-Jährigen

So lückenhaft sich der 29-jährige Angeklagte auch einließ, so bestätigte doch die anschließende Aussage des vierten Mannes aus der Wohnung wesentliche Aspekte dieser Einlassung. Zwar schwächte der 55-jährige Zeuge in etlichen Punkten die eigene Aussage ab, welche er im Februar bei der Polizei gemacht hatte.

Jüngerer Angeklagter verliert nach Beleidigungen die Nerven

Gleichwohl kristallisierte sich aus seinen Ausführungen heraus, dass das Opfer offenbar den jüngeren Angeklagten schwer beleidigt hatte, worauf dieser die Fassung verloren und auf den Mann eingeschlagen hat. An Gewalttätigkeiten des älteren Angeklagten konnte sich der Zeuge dagegen nicht erinnern, wohl aber daran, dass auch er Schläge vom jüngeren Angeklagten kassiert habe, wovon zudem eine Krankenakte zeugt.

Leiche nur zufällig entdeckt

Nach Aussage eines Anwohners der offenbar seit Jahren leerstehenden Wohnung haben dort bis zur Bluttat öfter Obdachlose ihre Nächte verbracht und sich betrunken. Die Leiche habe er am Morgen nur zufällig gefunden, als er Zigaretten habe kaufen wollen und dabei in die offen stehende Wohnungstür geblickt habe.

Fortsetzung am 21. Oktober

Die Jugendstrafkammer am Landgericht Oldenburg um den vorsitzenden Richter Dr. Dirk Reuter setzt die Verhandlung am kommenden Freitag, 21. Oktober, fort.