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Trauerandacht für Sternenkinder Abschied von Delmenhorster Sternschnuppen

Von Kai Hasse | 25.11.2017, 09:49 Uhr

Eltern von Fehl- oder Stillgeburten konnten nun bei einem Trauergottesdienst von ihren Kindern Abschied nehmen. Das symbolische Bild der Predigt: Sternschnuppen, die Staunen und Hoffnung wecken – aber flüchtig und nicht einzufangen sind.

Sternenkinder des jetzt endenden Jahres sind nun auf dem Friedhof Bungerhof beigesetzt worden. Bei der kleinen Andacht konnten die Eltern von Fehl- oder Stillen Geburten Abschied nehmen.

Eine Sternschnuppe nahmen sich Klinikseelsorgerin Silvia Kramer und die Pastorin Sabine Spieker-Lauhöfer zum einleitenden Thema der Andacht, bei der zwölf Eltern- oder Großelternpaare kamen. Die Sternschnuppe – ein Phänomen, das Staunen und Hoffnung wecke, „ein flüchtiger Besucher, der nicht einzufangen und festzuhalten war“, beschrieb Kramer. Die Sternschnuppe könne symbolisieren, wie Sternenkinder das Leben durcheinander bringen und wie viel Liebe in den Eltern stecke – obwohl das Geliebte noch gar nicht da ist.

Trauer gemeinsam aushalten

„Vielleicht haben Sie Ihrem Kind einen Namen gegeben?“, fragte Kramer. Und selbst wenn nicht – als Sternenkind kenne Gott alle Kinder mit einem Namen, so ihr Gedanke. Spieker-Lauhöfer ermutigte die Teilnehmer des Trauergottesdienstes, ihre Trauer zu zeigen und mit anderen auszuhalten. Was nach dem Tod des Kindes bleibe, sei Glaube, Hoffnung und Liebe. Das verdeutlichte sie mit den ganz praktischen Gedanken, dass die verwaisten Eltern in der Kapelle des Friedhofes gern dem Kind Trost und Liebe gegeben hätten – oder dass sie gern gewusst hätten, was sie traurig macht oder erfreut. „Sie sind jetzt nicht nur Sternenkinder, sondern auch Gottes Kinder“, so Spieker-Lauhöfer. Vor dem letzten Gebet in der Kapelle spielte die Orgel „Weißt du wieviel Sternlein stehen [...] Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet“.

150 Fehlgeburten jährlich in Delmenhorst

Im JHD in Delmenhorst erleiden nach Auskunft der Chefärztin Dr. Katharina Lüdemann jedes Jahr etwa 150 Frauen eine Fehlgeburt. Die meisten dieser Fälle geschehen in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. „Besonders wenn das Kinder schon größer ist, ist das Trauma erheblich“, stellt Lüdemann fest. Um Eltern zu helfen, dieses Trauma zu überwinden und ihre Trauer verarbeiten zu können, gibt es die Sternenkinder-Beerdigungen. Außerdem sollen die Eltern erleben, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind. Einen deutlichen Unterschied in der Beerdigung gibt es auch ab einem Geburtsgewicht ab 500 Gramm. Ab diesem Gewicht müssen tote Kinder beim Standesamt angemeldet werden, bekommen einen Namen, und werden einzeln bestattet. Kleinere Kinder werden auf Wunsch beim Standesamt samt Namen angemeldet und in der Grabstätte für Sternenkinder beerdigt.