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Trauerfeier und Beerdigung Delmenhorst verabschiedet die Sternenkinder

Von Vincent Buß | 24.11.2018, 10:27 Uhr

Kinder, die bei Fehl- oder Stillgeburten verstarben, wurden am Freitag, 23. November, in Delmenhorst verabschiedet. Die Trauerfeier sollte Hoffnung spenden.

Sieben Trauerende kamen am Freitagvormittag, 23. November, in die Kapelle des Friedhofs Bungerhof. Dort wurden Kinder, die bei Fehl- oder Stillgeburten verstarben, verabschiedet. Die Pastoralreferentin und JHD-Seelsorgerin Silvia Kramer hatte Verständnis und lobte die wenigen Menschen, die trotzdem gekommen waren: „Sie wagen es, ihre Trauer und Verzweiflung offen zu zeigen.“

„Wo waren die Engel?“

Nachdem Kerzen entzündet worden waren, begann die Trauerfeier. „Sie begleiten uns, sie fliegen vorweg, sie halten die Hände schützend über uns“, sagte Gitta Hoffhenke, Pastorin der Heilig-Geist-Kirche. „Von Engeln rede ich.“ Engel, das war das Symbol, das in diesem Jahr für die Verabschiedung der Sternenkinder ausgesucht wurde. „Aber gibt es Engel überhaupt?“, fragte Hoffhenke kurz darauf. Es gebe schließlich Zeiten, in denen man sich alles andere als behütet fühle. Etwa, wenn Babys schon vor der Geburt sterben.

„Wo waren die Engel, als die Kinder gestorben sind?“, wunderte sich die Pastorin. Als alles menschliche Bemühen im Krankenhaus nichts mehr gebracht habe. „Durch den Tod wurde die Vorfreude auf neues Leben zu Schmerz.“ Sie rief die Trauernden dazu auf, nicht zu vergessen, sondern zu verarbeiten. Neben eigener Mühe sei dazu aber auch Hilfe von Außen notwendig. „Vielleicht sind diese helfenden Menschen ja Engel“, vermutete Hoffhenke.

Viele Frauen sind laut Lüdemann betroffen

Genau diesen Menschen gedachte Dr. Katharina Lüdemann, Chefärztin der JHD-Frauenklinik, in ihrer Ansprache. „Gesegnet seien alle, jetzt nicht ausweichen, die zuhören auch, wenn das Gesagte schwer zu ertragen ist.“ Die zeigten, dass man nicht alleine sei. Denn man wolle seine Erinnerung nicht totschweigen.

Knapp 150 Fehl- und Stillgeburten gibt es laut Lüdemann jährlich im JHD. Bei stillen Geburten kommt das Baby tot zur Welt. „Mittlerweile wird mehr darüber geredet“, sagte Lüdemann nach der Trauerfeier. Viele Frauen seien betroffen. „Bloß, weil es früh passiert“, erklärt die Ärztin, „heißt es nicht, dass man leicht darüber hinwegkommt.“ Man könne schließlich auch kein Kind durch ein anderes ersetzen.

Beerdigung im Sternenkinder-Grab

Den Verstorbenen soll laut Lüdemann die Sternenkinder-Grabstätte auf dem Friedhof Bungerhof eine würdige Ruhestätte bieten. Auf Wunsch können Eltern sie auch einzeln bestatten. Wiegen die Babys mehr als 500 Gramm, ist das sogar Pflicht.

Zum Ende der Trauerfeier fanden sich die Anwesenden beim Gemeinschaftsgrab der Sternenkinder ein. Sie stellten die Kerzen ab, die sie entzündet hatten, und ließen Erde auf das kleine Grab rieseln. Kramer und Hoffhenke segneten die Trauerenden, dass sie die schweren Zeiten überstünden. Dass sie Vertrauen fassten, ihr Leben weiterzuleben.