Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Trotz Bürgerprotesten Stadt Delmenhorst ringt um Bauland in Randlage

Von Michael Korn | 17.01.2018, 18:29 Uhr

Der knappe Beschluss für künftiges Bauland am Heidkamp ist für die Stadt überfällig: Sie kann Familien derzeit keine Grundstücke in zusammenhängenden Baugebieten anbieten.

Die im Planungsausschuss am Dienstag vorgetragenen, teils scharfen Bürgerproteste gegen Neubaugebiete in freier Landschaft („Außenbereich“) sind von der Verwaltung deutlich zurückgewiesen worden. Stadtplaner Ulrich Ihm bekräftige, für zusammenhängendes großflächiges Bauland seien im innerstädtischen Bereich „keine Flächen mehr da“. Stadtbaurätin Bianca Urban ergänzte, die von den Protestlern vielfach angemahnte prioritäre Nutzung von Baulücken im bestehenden Siedlungsbereich sei in erster Linie ein Thema für den Geschosswohnungsbau.

Okay für Gebäuderiegel

Ein aktueller Fall einer solchen Baulücken-Nutzung wurde denn auch vom Ausschuss am Dienstag einstimmig auf den Weg gebracht: An der Kreuzung Stedinger Straße/Dwostraße/Nordstraße war kürzlich ein altes Einfamilienhaus abgerissen worden. An seiner Stelle entsteht nun unter Schutz einer großen alten Buche entlang den Straßenseiten ein dreigeschossiger Gebäuderiegel. Dies kommt vor allem auch den Anwohnern der rückwärtigen Teppichstraße zugute, die sich nun auf deutlich mehr Lärmschutz freuen können.

Baugebiet zwölf Hektar groß

Wie berichtet, hat der Ausschuss empfohlen, für den besonders umstrittenen Außenbereich am Heidkamp im nördlichen Bungerhof einen Bebauungsplan für knapp zwölf Hektar Fläche aufzustellen. Das Gelände grenzt zu zwei Seiten an die Straßenbebauung von Stedinger Straße und Hermann-Allmers Weg und liegt nahe bei Grundschule, Kindergarten, Bushaltestellen und Einkaufsmöglichkeiten. Naturschutzbund, BUND und vor allem auch angrenzende Grundstückseigentümer sehen dagegen eine unzulässige Versiegelung naturnaher Flächen mit geschützten Wallhecken, Eichenreihe und Rote-Liste-Tierarten wie Fledermäuse und Eulen. Die Widerständler erinnerten die Ratsparteien ferner daran, ihre Wahlversprechen einzuhalten und die Außenbereiche von Bebauung freizuhalten.

Konkurrenz zu Ganderkesee

Die Stadt sieht hingegen im Heidkamp eine ideale Fläche als Pendant zu den Ganderkeseer Neubaugebieten und hofft, Familien mit einem entsprechenden, verkehrs- und infrastrukturgünstigen Grundstücksangebot in Delmenhorst halten zu können. Baurätin Urban bekräftigte, auch im Innenbereich Areale für den Wohnungsbau zu mobilisieren – wie künftig auf dem Delmod-Gelände oder am Wollepark. Klassische Eigenheimgebiete mit Einfamilien- und Doppelhäusern müssten aber am Stadtrand entwickelt werden.