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Trotzdem Lob für Delmenhorster City Abgesprungener Ankermieter bei Hertie war SinnLeffers

Von Michael Korn | 10.08.2016, 19:44 Uhr

Das wäre ein Coup für Delmenhorst gewesen: Das Modehaus SinnLeffers wollte nächstes Jahr ins sanierte Hertie-Gebäude ziehen. Am Standort City lag es nicht, versichert das Unternehmen.

Die Delmenhorster Innenstadt genießt als Einkaufsstandort einen weitaus besseren Ruf in Wirtschaftskreisen als ihr gemeinhin zugeschrieben wird. Das belegt nach dk-Recherchen das nachhaltige Interesse namhafter Einzelhandelsunternehmen an einer Geschäftseröffnung in den attraktiven Lagen der Fußgängerzone: Wie das dk jetzt erfuhr, handelte es sich bei dem ersten Top-Mietinteressenten für das Hertie-Gebäude um die renommierte Modehaus-Kette SinnLeffers. Der zuvor kaum für möglich gehaltene Zuzug des Unternehmens nach Delmenhorst war nicht etwa an den wirtschaftlichen Aussichten in der City gescheitert, sondern allein an gebäudetechnischen Bedingungen.

Architektur des Hauses hat nicht gepasst

SinnLeffers, das vorwiegend in NRW mit hochwertigen Bekleidungsmärkten vertreten ist, war als Hauptmieter und Impulsgeber für weitere Anbieter im ehemaligen Hertie-Gebäude vorgesehen. Die Deutsche Immobilien Holding (DIH, Delmenhorst) als Eigentümerin der vor einer umfangreichen Sanierung und Neugestaltung stehenden Kaufhaus-Ruine hatte entsprechende weitgediehene Verhandlungen geführt. Letztlich ist SinnLeffers dann abgesprungen, „weil das Gebäude und seine Bedingungen nicht zu unserem Portfolio gepasst haben“, wie Unternehmenssprecherin Anke Löffler auf Anfrage mitteilte. Zuschnitt und Lage der Verkaufsflächen in dem Haus hätten letztlich nicht zufriedengestellt. Am Standort Delmenhorst selbst habe es nicht gelegen, der sei „sehr interessant“.

„Innenstadt in wenigen Jahren nicht wiederzuerkennen“

Diese Einschätzung deckt sich auch mit der Bewertung des Delmenhorster Immobilien-Experten Andreas Vogler, geschäftsführender Gesellschafter der Kristensen Invest GmbH. In wenigen Jahren sei die Innenstadt nicht mehr wiederzuerkennen, und das im positiven Sinne, ist Vogler überzeugt. Kristensen hatte erfolgreich das ehemalige Volksbank-Gebäude Ecke Lange Straße/Schulstraße saniert und vermarktet (unter anderem mit der Ansiedlung des Herrenausstatters) und investiert weiter in die City: Auch die Häuser Lange Straße 32 (ehemals Modehaus Többens) und 7 - 9 (Deutsche Bank und Leder Strudthoff) werden so aufgewertet. Vogler berichtete, das ehemalige Többens-Haus erhalte eine neue Fassade, neue Schaufenster sowie einen Außenfahrstuhl. Mit der Einrüstung ist bereits begonnen worden.

Namhafter Ersatz für Hertie-Haus in Aussicht

Wie es in Fachkreisen heißt, soll es im Fall Hertie aussichtsreichen und namhaften Ersatz für SinnLeffers geben. DIH-Aufsichtsratschef Werner Uhde war für nähere Angaben zum Vermarktungsstand aus Urlaubsgründen nicht erreichbar. Nächster Schritt ist der angekündigte Abriss des Hertie-Parkhauses im Oktober, bevor DIH dann im Frühjahr 2017 den Umbau der eigentlichen Kaufhaus-Ruine angehen will.