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Türsteher und Ausgleichsfaktor Hunde bereichern den Arbeitsalltag in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe und Johannes Giewald | 20.08.2016, 11:32 Uhr

Hunde am Arbeitsplatz können das Arbeitsklima beleben und einen positiven Ausgleich für die Mitarbeiter schaffen. Das zeigen nicht nur zwei Beispiele aus Delmenhorst, auch Wissenschaftler stellen ähnliches fest.

Gäbe es eine Maschine, die die Laute von Hunden übersetzt, würde sie bei Mimi vermutlich folgende Worte ausspucken: „Du kannst nicht vorbei.“ Und dass mehrfach in Reihe. Mimi ist der Salonhund von Mechthild Morris, Inhaberin des Friseurladens „Visionen Haarstudio“. Wer sich in dem Salon das Haupthaar trimmen lassen will, wird vom Pudel-Havaneser-Mix angebellt. Jeder, ohne Ausnahme. Nach einem Weilchen aber hat Mimi den Besuch dann akzeptiert – Leckerlis helfen hierbei – und lässt sich streicheln.

„Mimi ist noch ganz fit“, sagt Morris über ihre elfjährige Hundedame, „und sehr schlau“. Denn wenn Mimi nicht gerade die Funktion eines bellenden Türstehers ausfüllt, lässt sie sich zu allerlei Kunststückchen animieren. Mimi geht auf Befehl um die Beine ihres Frauchens, macht Männchen, sie kann auf den Hinterpfoten um die eigene Achse tanzen, Pfötchen geben und mit einer Pfote zum Abschied winken.

Und zeigt Morris mit ihren Fingern eine Pistole und sagt „Peng“, stellt sich Mimi tot. „Dass sollen andere Hunde einmal nachmachen“, sagt Morris nach einer kleinen Demonstration stolz. Der neueste Trick ist schon in Arbeit: Mimi steht zwischen den Beinen ihres Frauchens und mit den Vorderpfoten auf deren Schuhen, gemeinsam wackeln dann beide „im Gleichschritt“ vorwärts. Das ist zumindest das Ziel.

Positive Wirkung

„Kinder finden das klasse“, sagt Morris über die Tricks ihres Hundes. „Haben sie Mimi beim Haareschneiden im Blick, weinen sie nicht so schnell.“ Wenn man so will, ist Mimi, die umgerechnet 77 Menschenjahre alt ist und jeden Dienstag zwecks Sozialisierung in den Hundekindergarten geht, auch ein Standortfaktor für den Friseursalon: „Die Stammkundschaft weiß über Mimi genau Bescheid und freut sich auf sie“, sagt Morris. Eine ältere Dame nehme sich immer Zeit, den Hund ausgiebig zu begrüßen. Waschen, schneiden, legen, das kann dann ruhig mal warten.

Doch auch auf die Friseurin selbst hat Mimi eine positive Wirkung. „Sie ist wie eine Freundin. Je nachdem, an welchem Platz ich arbeite, legt sie sich dahin, wo sie mich sehen kann, und passt auf mich auf“, erzählt die Inhaberin. Mimi bei der Arbeit zu haben, habe etwas Entspannendes. Auch die Auszubildende und die Salon-Partnerin schätzen den Hund. „Morgens werden alle stürmisch begrüßt und machen Faxen zusammen. Das gehört zum täglichen Ritual“ und trägt so nebenbei zu einer guten Arbeitsatmosphäre bei, sagt Morris.

Stressabbau mit Vierbeiner

Eine deutlich ruhigere Zeitgenössin als Mimi ist Suky. Die schwarze Labradorretrieverin hat ihren Stammplatz im Büro von Nina Keubler, der stellvertretenden Geschäftsführerin beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt AWO in Delmenhorst. Dort liegt sie auf ihrer schwarzen Decke und regt sich kaum, wenn jemand durch die Tür kommt. „Sie stellt ein gutes Betriebsklima her. Die Mitarbeiter kommen in mein Büro, um Stress abzubauen und nutzen den Hund, um runterzukommen“, erklärt Keubler.

Dass Suky seit zwei Jahren mit ins Büro kommt, sei aus einer Notsituation geboren. Die andere Option wäre es, sie alleine zu Hause zu lassen. Aber die AWO Leitung und die Mitarbeiter hätten ihr Okay gegeben, dass die Hündin mit zum Arbeitsplatz kommen darf. „Sie verhält sich so, wie man sich in einem Büro verhalten sollte. Bellen ist hier nicht angebracht“, sagt Keubler.

Wenn der Hund so erzogen ist, dass er zum Arbeitsplatz passt, dann sei es eine große Freude. Die 6-Jährige ist für einige Mitarbeiter kaum noch wegzudenken. „Wenn Suky Urlaub hat, dann fehlt sie hier“, habe eine Mitarbeiterin Keubler gesagt.

Hund mindert Burn-Out- und Depressionsrisiko

Der Hund bei der Arbeit, dies ist auch Gegenstand der Forschung von Wissenschaftlern. Auf deren Ergebnisse bezieht sich zum Beispiel der Bundesverband Bürohund (www.bv-bürohund.de), der sich für mehr Hunde am Arbeitsplatz einsetzt. So fördere der Umgang mit einem Hund einfach gesprochen den Ausstoß des Bindungshormons Oxytocin und mindere den Ausstoß des Stresshormons Cortisol. Damit verbunden sind nach Ansicht des Verbandes eine ganze Reihe von nützlichen Effekten: Ist ein Hund im Büro, sei das Risiko, an psychischen Krankheiten zu erkranken wie Burn-Out oder Depression, deutlich geringer, die Mitarbeiter empfänden weniger Stress und trügen so zu einem besseren Betriebsklima bei. Und das sollen nur einige der Vorteile sein.