Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

TÜV-Station Delmenhorst Tipps für Autofahrer im Seniorenalter

Von Marco Julius | 24.09.2016, 20:12 Uhr

Senioren am Steuer: Eine Risikogruppe? Andreas Vogelsang, Leiter der TÜV-Station Delmenhorst, räumt mit Vorurteilen auf.

Selbstständigkeit und Mobilität sind wichtige Pfeiler der Lebensqualität und Freiheit. Dazu gehört für viele auch das Autofahren. Diese Unabhängigkeit so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, das wünschen sich viele.

Leistungsfähigkeit sinkt

Wenn es um Senioren am Steuer geht, herrscht häufig das öffentliche Bild einer Risikogruppe für den Straßenverkehr vor. Ihre Fahrtüchtigkeit wird oft bezweifelt. Andreas Vogelsang, Leiter der TÜV-Station Delmenhorst, klärt auf: „Es ist falsch, die Fahrtauglichkeit pauschal am Alter festzumachen. Gemessen am Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen liegt die Zahl der Unfälle durch ältere Menschen unter dem Durchschnitt.“ Und auch wenn die Unfallhäufigkeit ab dem 75. Lebensjahr massiv ansteige, verursache die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen die meisten Unfälle. „Dennoch ist es richtig, dass Sehschärfe, Gehör, Reaktionsfähigkeit und Wahrnehmungsfähigkeit mit dem Alter abnehmen. Die Leistungsfähigkeit insgesamt sinkt“, weiß Vogelsang. Kommt es zu einem Unfall, sind oft folgende Ursachen verantwortlich: Rote Ampeln und andere Verkehrsteilnehmer werden übersehen, der Abstand zum Vordermann wird nicht richtig eingeschätzt, Vorfahrtsregeln werden nicht eingehalten, es kommt zu Fehlern beim Abbiegen oder Lenken. „Die schwindende Sehkraft lässt leider auch die besten Adleraugen irgendwann unschärfer werden“, betont Vogelsang. Warnsignale wie das Hupen anderer Autofahrer oder das Martinshorn der Polizei- und Rettungswagen können schnell durch die nachlassende Hörfähigkeit überhört werden. „Auch die abnehmende Konzentration auf längeren Strecken und die vorzeitige Ermüdung zählen zu den Gründen“, weiß der TÜV-Nord-Experte. Dazu kommt, dass der Verkehr auf den Straßen durch die wachsende Zahl an Fahrzeugen immer dichter, hektischer und auch gefährlicher wird. „Dies erhöht den Stressfaktor und verursacht ein Gefühl von Unsicherheit für ältere Fahrer, die in kritischen Situationen manchmal nicht schnell genug reagieren“, erklärt Vogelsang.

Fahrschulen bieten Hilfe an

Um möglichen Unfällen im Verkehr vorzubeugen, bieten Fahrschulen Fahrern jeden Alters Möglichkeiten an, um sowohl die Fahrtheorie zu testen und gegebenenfalls aufzufrischen als auch die Fahrtauglichkeit zu überprüfen. Fahrlehrer geben Tipps zur Sitz- und Spiegeleinstellung. „Fahrsicherheitstrainings können zu einem besseren Gefühl und zu mehr Sicherheit bei Gefahren- und Extremsituationen beisteuern“, sagt der TÜV-Stationsleiter.

Der TÜV-Nord-MobilitätsCheck, der freiwillig und anonym durchgeführt werden kann, bietet älteren Autofahrern die Möglichkeit, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit prüfen zu lassen.