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Turm des Schreckens Austausch soll Delmenhorster Kinder vor Horror schützen

Von Sonia Voigt | 18.12.2018, 17:58 Uhr

Mit seinem Halloween-Spektakel im Wasserturm begeistert Lange Events Gruselfans – und schockiert Kritiker. Eine intensive Abstimmung im Vorfeld soll künftig den Jugendschutz verbessern.

Detailverliebt vorbereiteter Gruselspaß zu Halloween oder geschmacklose Jugenschutz-Verletzung? Die Resonanz auf den 6. „Turm des Schreckens“ im Delmenhorster Wasserturm Ende Oktober war geteilt. Nun hat der Fachdienst Jugendarbeit der Stadt das Gespräch mit dem Veranstalter Lange Event gesucht. Ergebnis des aus Sicht beider Seiten guten Gesprächs: Vor dem 7. „Turm des Schreckens“ 2019 soll es einen intensiven Austausch geben, um „,Horrorszenen’ für Kinder zukünftig zu vermeiden“, kündigt Patrick Fechner von Lange Events an.

Spagat zwischen „Erleben-Wollen“ und Kinderschutz

„Wir als Veranstalter müssen immer den Spagat gehen zwischen dem ,Erleben-Wollen’ der Eltern/ Erwachsenen und dem, was für Kinder möglicherweise gefährdend ist“, führt Fechner aus. Unter dem Motto „Halloween at Work“ hatten über 20 Darsteller am Halloweenabend aufwendig, aber auch sehr blutrünstig Berufe wie Zahnarzt, Schlachter oder Soldat in gruselige Szenen umgesetzt. Hunderte Besucher, darunter viele Familien, standen dafür vor dem Wasserturm Schlange.

Kritiker rügen „perverse Fantasien“

Kritische Wortmeldungen, in dk-Leserbriefen, aber auch in sozialen Netzwerken, zeigten sich hingegen „zutiefst schockiert“ von den grauenhaften Bildern und „perversen Fantasien“, die Grenzen überschreiten. Besonders gerügt wurde, dass viele Kinder und Jugendliche die Gruselbilder aus nächster Nähe erlebten.

Beide Seiten sprechen von konstruktivem Gespräch

Letzteres veranlasste offenbar auch die Stadtverwaltung, sich einzuschalten. „Das Gespräch zwischen dem Veranstalter des ‚Turms des Schreckens’ und dem Fachdienst Jugendarbeit ist aus Sicht des Fachdienstes sehr konstruktiv gelaufen“, berichtet Ute Winsemann aus der Pressestelle der Verwaltung. Schon im Vorfeld seien Vertreter der Fachverwaltung zum „Turm des Schreckens“ eingeladen worden, weil das Konzept aus dem Jahr 2014 verändert worden sei. Dabei sei „Gesprächsbedarf“ bezüglich des Kinder- und Jugendschutz festgestellt worden, heißt es von der Stadt. Für 2019 habe der Veranstalter ein „für Familien geeignetes Gruselevent“ versichert. „Alle Beteiligten sind sich einig, dass Kinder zukünftig nicht mit dieser Art von Horror- und Gewaltszenen konfrontiert werden sollen“, teilt die Stadt mit.

Räume mit Altersbegrenzung als Option

Bei dem Gespräch waren auch verschiedene Bereiche mit Altersbeschränkung für die Zukunft Thema. Das bestätigt auch Fechner: „Diskutiert wurden künstlerische Freiheit versus angewandten Jugendschutz“, erläuterte Patrick Fechner. Ein Weg, mögliche Gefährdungen für Kinder auszuschließen, sei „eine räumliche Anpassung des Konzepts“. So wäre eine Überlegung, von den bisher vier Bereichen auf der größten Ebene im Turm „eventuell die letzten beiden Räume als FSK 16 einzustufen“.

Abstimmung bereits über erste Entwürfe

Ob das notwendig sei, hänge allerdings auch stark vom Thema ab, ergänzt Fechner. So sei das Thema „Märchenhaftes“ vor zwei Jahren „völlig unblutig“ gestaltet gewesen. Sobald das Thema feststehe und erste Entwürfe für Räume und Gestaltung stehen, soll 2019 die Abstimmung mit dem Fachdienst Jugendarbeit erfolgen.

„Familientaugliche Veranstaltung“ als Ziel

Lange Event will laut Fechner auch weiter „eine familientaugliche Veranstaltung für Delmenhorst gestalten“. Zu diesem Zweck gab es zuletzt auch ein Rahmenprogramm mit Kinderschminken und Basteln, Stockbrot und Musik auf dem Rathausplatz.

Dabei ist dem Team wichtig, dass keinerlei öffentliche Gelder in den „Turm des Schreckens“ fließen. Es handle sich um eine „Non-Profit-Veranstaltung“, die mithilfe von Sponsoren und Spenden der Besucher auf die Beine gestellt wird. Ziel sei es, die Veranstaltungslandschaft in Delmenhorst zu bereichern.