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„Tussi“ als Dolmetscherin Enissa Amani gibt Delmenhorst Nachhilfe im Schimpfen

Von Eyke Swarovsky | 20.11.2015, 14:41 Uhr

Mit einem enormen Sprechtempo, Nähe zum Publikum und Humor mit Migrationshintergrund hat Comedy-Shootingstar Enissa Amani am Donnerstag für Lachfalten in der Delmenhorster Divarena gesorgt.

Die Divarena war seit Monaten restlos ausverkauft. Kein Wunder. Enissa Amani ist in den vergangenen zwei Jahren aus dem Nichts in die erste Liga der deutschen Comedy aufgestiegen. Und spätestens seit ihren Auftritten in der RTL-Tanzshow „Let‘s Dance“ kennt fast jeder die im Iran geborene „Ölscheichbarbie“, wie sie sich betitelt.

Zwischen süß und bitterböse

In ihrem Solo-Programm „Zwischen Chanel und Che Guevara“ geht es jedoch nicht ums Tanzen, sondern um Humor. Und den hat Enissa Amani. Mal zuckersüß, mal respektlos und mit böser Zunge voll unter der Gürtellinie. Auch das bunt gemischte Publikum muss an diesem Abend über sich selbst lachen können, um ihn als gelungen bezeichnen zu können. Wer das nicht schafft, hat verloren.

Schlimmstes Schimpfwort: „hochachtungsvoll“

Wörter wie „Bastard“, „Hurensohn“ oder „Kanake“ fliegen beinahe im Sekundentakt in Richtung Saal. „Das ist nicht schlimm. Das ist in meiner Generation anders gemeint, als es klingen mag“, klärt die Perserin auf. „Ich betreibe Verständigung zwischen den Generationen.“ Und so wird Delmenhorsts Nachbarort Ganderkesee, von dem Amani anscheinend noch nie gehört hat, zu „Kanakensee“, was zum umjubelten Running-Gag des Abends werden sollte. Das schlimmste Schimpfwort sei für Amani ohnehin das deutsche Wort „hochachtungsvoll“. „Wenn man eine Kündigung erhält oder jemand Geld von einem bekommt, dann steht da immer ,hochachtungsvoll‘ auf dem Papier. Das ist doch zehn Mal schlimmer als ,Hurensohn‘.“ Zumal der Ausdruck heutzutage eh weder den Müttern noch dem Berufsstand der Prostituierten gelte.

Viele kleine Geschichten

Amanis Soloprogramm ist in Wirklichkeit gar kein richtiges Programm, das einmal von vorne nach hinten abgespielt wird. Es ist ein loses Sammelsurium an kleinen multikulturellen Geschichten, die an dem Abend irgendwie untergebracht werden sollen. So sagt Amani selbst, dass sie Themenübergänge hasst, weil die immer so konstruiert seien. Und so fällt der selbst ernannten „Tussi“ um 22.40 Uhr auf, dass ihr Zug nach Köln bereits in einer Stunde abfährt, sie aber in den mittlerweile zweieinhalb Stunden zwei Geschichten noch gar nicht erzählt hat. „Wir müssen noch über Nazis und Knoppers sprechen.“ Dafür gab es aber jede Menge von Louboutin-Schuhen („Lieber kein Sofa als scheiß Schuhe.“), Schönheits-OPs im Iran und Amanis streng kommunistischem Elternhaus (Auf meiner Schultüte stand ,Freiheit für alle politischen Gefangenen im Iran‘.“) zu hören.

Ein lustiger und trotz drei Stunden Programms kurzweiliger Abend für alle, die diese Art von Humor teilen . Und das war beim Delmenhorster Publikum offensichtlich der Fall.