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UAD auf Distanz zu Stemmler Kritik an Delmenhorster Galerie stößt auf Gegenwind

02.12.2015, 18:11 Uhr

UAD-Ratsherr Peter Stemmler hat die aktuelle Ausstellung im Haus Coburg als „erschreckend“ bezeichnet. Der Freundeskreis des Hauses betont nun, dass die Stadt für die Ausstellungen kaum Geld gibt.

Die harsche Kritik von UAD-Ratsherr Peter Stemmler an der aktuellen Ausstellung „Hostal“ in der Städtischen Galerie hat beim Freundeskreis Haus Coburg und aus der Politik einige Gegenstimmen auf den Plan gerufen – selbst aus den eigenen Reihen. Stemmler hatte die Ausstellung als „erschreckend“ bezeichnet und erklärt, dass jeder Euro, der für solche Ausstellungen aus dem Stadtsäckel ausgegeben wird, ein Hohn sei.

Freundeskreis: „Stadt gibt fast gar nichts“

Dies stößt vor allem beim Freundeskreis der Galerie auf Widerstand. „Die Ausstellungen selbst finanziert die Stadt fast gar nicht“, erklärt der Vorsitzende Friedrich Hübner. Der von der Stadt gestellte Ausstellungsetat beträgt 2000 Euro im Jahr. Bis zu acht große Ausstellungen gibt es pro Jahr in der Galerie. Die Kosten liegen oft zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Haus Coburg genießt außerordentlich guten Ruf

Finanziert werden die Ausstellungen überwiegend durch Stiftungen. Bei „Hostal“ sind dies die LzO-Stiftung Kunst und Kultur, die Niedersächsischen Sparkassenstiftung sowie das Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Und unter diesen genießt das Haus Coburg laut Hübner einen außerordentlich guten Ruf. „Künstlerische Projekte können naturgemäß unterschiedliche Betrachtungen auslösen; ein Ziel, das Kunst unter anderem auch erfüllen soll“, teilte Udo Unger, Geschäftsführer der LzO-Stiftung, auf dk-Anfrage mit. Hübner betont, dass auch er kein Kunstexperte sei und häufig rätselnd vor den Kunstwerken stehe: „Aber als Mensch, der keine Ahnung hat, habe ich nicht den Mut, mich hinzustellen und solche Verdikte auszusprechen.“

Lange bietet Privatführung an

Ein Plädoyer für die moderne Kunst spricht Ulla Lange vom Freundeskreis aus: „Selbst die Künstler der klassischen Moderne, wie Max Beckmann, waren damals nicht unumstritten, erschlossen sich nicht gleich von selbst. Wo gibt es denn blaue Pferde und gelbe Kühe? Heute hängen wir uns diese Bilder in Krankenhausflure.“ Moderne Kunst erschließe sich nicht immer auf den ersten Blick. Sie sei deshalb bereit, Stemmler eine Privatführung durch die Galerie zu geben.

UAD geht auf Distanz zu Stemmler

Unterdessen ist die Fraktion der Unabhängigen auf Distanz zu ihrem Mitglied Peter Stemmler gegangen. Ratsherr Uwe Dähne bekräftigte, Stemmler habe seine persönliche Meinung geäußert, die „völlig unangebracht“ und nicht mit der Fraktion abgesprochen gewesen sei. Kunst könne nicht generell verdammt werden, sondern könne höchstens den individuellen Geschmack des Betrachters berühren. Dähne brach sogar eine Lanze für die aktuelle Ausstellung: „Wenn wir Kunst in Delmenhorst haben wollen, dann müssen wir uns auch provokative Kunst gefallen lassen.“ Grund des Besuches bei Coburg-Chefin Reckert sei ein Austausch über die Galerie-Konzeption gewesen, weil es zuwenig Besucher gebe. Dähne bekräftigte weiter, die Unabhängigen wollten Reckert keinesfalls in die Auswahl der Ausstellungen hineinreden.