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Über 200 Aktionen in Delmenhorst Warum vorlesen klug macht

Von Marie Busse | 15.11.2018, 17:43 Uhr

Am Freitag ist Vorlesetag in Maren Michels, Koordinatorin des Tages bei der Stadtbücherei, spricht im dk-Interview über das Vorlesen und Vorteile im Deutschunterricht. Außerdem verrät sie, welche Geschichten bei Jung und Alt immer noch ankommen.

 dk: Frau Michels, warum ist Vorlesen wichtig?

Maren Michels: Vorlesen ist wichtig für die Sprachentwicklung von Kindern, es erweitert den Wortschatz und fördert die Konzentration. Außerdem wird bei Kindern die Neugier geweckt. Sie wollen wissen, wie es weitergeht. Eine Studie der Stiftung Lesen hat in diesem Jahr gezeigt, dass Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wird, bessere Noten in Deutsch haben. Für Eltern und Großeltern ist Vorlesen oft auch ein Ritual, das Nähe zum Kind aufgebaut.

Wird heute weniger vorgelesen?

Die Tendenz ist rückläufig: Mittlerweile wird in jeder dritten Familie nicht mehr vorgelesen, auch das hat die Studie gezeigt. Ich finde das sehr schade, weil so auch das Medium Buch verloren geht.

 Woran liegt das?

Vorlesen ist sehr zeitintensiv. Man rattert nicht einfach den Text runter, sondern spricht mit den Kindern darüber.

 Wie funktioniert gutes Vorlesen?

Wir erzählen nicht nur die Geschichte, sondern ermuntern die Kinder zu eigenen Beiträgen. Vor allem bei Bilderbüchern ahme ich oft auch die Geräusche der abgebildeten Dinge nach. So entstehen bei den Kindern eigene Bilder im Kopf.

 Was kann beim Vorlesen falsch gemacht werden?

Die beiden größten Fehler: Die Kinder auslachen und nicht ernst nehmen. Und natürlich muss das Buch stimmen. Die Kinder machen sich eigene Gedanken zu der Geschichte oder zu den Bildern. Wenn ich einer Gruppe vorlese und ein Kind sagt etwas, das im ersten Moment nicht zum Thema passt, gehe ich trotzdem darauf ein. Wenn ich sage: „Sei bitte ruhig. Das hat damit nichts zu tun“, hab ich das Kind bei dieser Geschichte verloren.

 Wie unterstützt die Stadtbücherei die Vorleser am Vorlesetag?

Wir haben Empfehlungslisten für einzelne Jahrgänge zusammengestellt. Viele Vorleser waren sich unsicher, was sie lesen sollten. Ein Tipp von uns ist dann immer einfach mal bei der Schule oder dem Kindergarten nachfragen, ob es Projekte gibt. Beschäftigen sich die Kinder zum Beispiel mit Naturwissenschaften, haben wir passende Bücher. Mein Notfallplan: Einfach auf den Kalender schauen und dann Bücher zu den anstehenden Anlässen ausleihen.

 Welche Geschichten gehen immer?

Alle Bücher von Astrid Lindgren und Ottfried Preußler. Die sind in der Bücherei auch oft schon ein bisschen abgegriffen. Ein Zeichen, dass die Bücher wirklich gut sind.

 Gibt es Unterschiede beim Vorlesen bei Erwachsenen und Kindern?

Ich denke schon. Bei Kindern empfehle ich eine ruhige Atmosphäre ohne Ablenkung. Außerdem sollte es davor und danach nicht noch viel Programm geben. Das ist bei Erwachsenen anders. Ein gutes Glas Wein vor der Lesung, ein paar Snacks und gute Unterhaltungen davor und danach sorgen dann für einen gelungenen Abend.

Wann ist man zu alt, um Geschichten vorgelesen zu bekommen?

Nie! Nur die Geschichte muss gut sein.

 Wie schätzen Sie die Titelchancen auf die Vorlesestadt des Jahres 2018 ein?

Ich glaube, die Chancen stehen gut. Wir haben uns ja in den Kategorien aktivste und außergewöhnlichste Vorlesestadt beworben. Mit mehr als 200 Veranstaltungen sind die Chancen bei der aktivsten Stadt sehr gut. Wir können auch mit Lesungen an ungewöhnlichen Orten Punkten: Einigen Kindern wird zum Beispiel im Unterwäsche-Geschäft vorgelesen.