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Über das Leben mit den Fluten Delmenhorster HWK als Ideengeber für Buch zu Klimawandel

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 08.03.2016, 18:40 Uhr

In „Kurswechsel Küste“ fasst Herausgeber Karsten Reise Thesen aus dem Delmenhorster Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) zur Klimaanpassung zusammen. Hiernach müssen Küstenregionen mit dem steigenden Meeresspiegel wachsen, um zu überleben.

Hohe Deiche mit integrierten Einkaufszentren, Überschwemmungsgebiete voller Wasserbüffel und salztoleranter Kulturpflanzen, terrassenförmig von unten nach oben gebaute Städte: über solche Zukunftsvisionen könne man sich in unseren Breiten gar nicht genügend Gedanken machen, findet Karsten Reise. Denn obschon es kurzfristig reichen möge, die Deiche zu verstärken, müsse es den Menschen in den Küstenregionen langfristig gelingen, mit mehr Wasser zu leben als heute, konstatiert der emeritierter Professor für Küstenökologie an der Universität Kiel und langjähriger Leiter der Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts.

Ideen zur Klimaanpassung gesammelt

Am Dienstagabend hat Reise im Bremer Weserstadion sein Buch „Kurswechsel Küste: Was tun, wenn die Nordsee steigt?“ vorgestellt. Hierin fasst er wesentliche „Hanse-Thesen zur Klimaanpassung“ zusammen, Ideen, welche Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Küstenschutz in den letzten Jahren bei Diskussionsrunden des Delmenhorster Hanse-Wissenschaftskollegs (HWK) eingebracht haben.

Dass der Meeresspiegel steigt, ist sicher

Zwar wisse man nicht, in welcher Geschwindigkeit und in welchem Ausmaß der Meeresspiegel steigen werde. Dass er aber steige, sei sicher, so Reise. Und wer bei einem schneller steigenden Meer zu lange allein auf die Abwehr der Fluten setze, riskiere den Kollaps der vorhandenen Schutzstrukturen. Es sei daher sinnvoller, nach Alternativen zu schauen, „mit dem steigenden Meer zu wachsen“.

Reise denkt dabei etwa an „natürliche Aufschlickung“, wie sie bereits im Wattenmeer praktiziert werde, um vor den Deichen Land zu gewinnen. Diese Praktik gelte es, auf die Nordseemarschen hinter den Deichen zu übertragen.

Konsequenter Abschied von fossilen Brennstoffen

Allerdings sei es, so der Wissenschaftler weiter, mit einer Anpassung an den steigenden Meeresspiegel, sofern diese überhaupt gelinge, nicht getan. Die Küstenregionen müssten der Welt ein Beispiel für weitsichtigen Klimaschutz geben: insbesondere durch einen konsequenten Abschied von fossilem Kohlenstoff als Energiequelle und durch die Renaturierung von Küstenmooren als Senken für Kohlendioxid in der Atmosphäre.

Karsten Reises vom HWK initiiertes Buch „Kurswechsel Küste“, erschienen im Wachholtz Verlag, umfasst 200 Seiten mit zahlreichen Grafiken und Fotos des amerikanischen Fotokünstlers Alex S. MacLean. Es kostet 24,80 Euro.