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Überfälle im Supermarkt Delmenhorster schweigt vor Landgericht

Von Ole Rosenbohm | 02.05.2019, 21:46 Uhr

Angeklagt ist ein 42 Jahre alter Mann aus Delmenhorst. Ihm wird vorgeworfen, sieben Supermärkte oder Discounter in Oldenburg, Bremen und Stuhr überfallen zu haben.

Fünf Kassiererinnen, alles Opfer einer Überfallserie, haben am Donnerstag vor dem Landgericht Oldenburg ausgesagt. Und immer fragte der Vorsitzende Richter Horst Kießler die Frauen auch, wie sie es verkraftet hätten, dass ihnen vor einem halben oder dreiviertel Jahr eine Pistole an Brust oder Schläfe gehalten wurde. Die Antwort in jedem Fall: schlecht.

Geschichte kommt immer wieder hoch

Oder sogar sehr schlecht. Eine 35-Jährige etwa hat ihren Job in einem Discounter sogar komplett aufgeben müssen. Nichts hatte geholfen, keine Traumatherapie, kein langsames Herantasten an ihre alte Arbeit. „Die Geschichte kommt immer wieder hoch“, berichtete sie dem Gericht am zweiten Tag des Prozesses. Zwei-, dreimal habe sie es versucht, saß dann eine halbe Stunde an der Kasse. Aber kamen Kunden, wurde sie nervös, sie vertippte und verzählte sich. „Dann konnte ich nicht mehr.“ Die 35-Jährige tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf. Sie arbeitet nun in einem komplett anderen Beruf.

Angeklagt ist ein 42 Jahre alter Mann aus Delmenhorst. Ihm wird vorgeworfen, in sieben Supermärkten oder Discountern in Oldenburg, Bremen und in Stuhr Kassiererinnen nach dem Öffnen der Kasse mit einer Spielzeugpistole – von der jeder der Zeuginnen dachte, sie wäre echt – bedroht und Geldscheine aus der Kasse genommen zu haben. Knapp 6500 Euro soll er bei seinen Taten erbeutet haben – mal 300, mal 2300 Euro.

Delmenhorster schweigt noch

Ob er es wirklich war, hat der Mann noch nicht gesagt. Obwohl von seinem Anwalt anders angekündigt, verweigerte er bis jetzt die Aussage. Und auch die Frauen konnten ihn in keinem Fall identifizieren. Vielleicht lag es daran, dass er bei den Überfällen nebst Wollmütze und Sonnenbrille einen Vollbart getragen haben soll und jetzt einen akkurat geschnittenen Schnur- mit kleinem Unterlippenbart präsentiert.

Zwei Fälle stellte das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft sogar bereits ein. Die Beweislage sei insgesamt zu dünn, hieß es. Die Opfer aus den beiden Märkten mussten also nicht mehr auftreten. Dabei hätten sie etwas zu sagen gehabt. Eine junge Frau will den Mann sogar erkannt haben: „Er war es“, sagte sie am Rande des Prozesstages. Sie sei sich fast ganz sicher. Nicht nur das Gesicht, auch an eine Tätowierung am Arm könne sie sich erinnern. Und ihre Chefin, die Marktleiterin, die den Täter am 2. August 2018 herausstürmen sah, sieht noch die Augen des Täters vor sich; sie passen zum Angeklagten, sagte sie.

Angst noch heute

Für die junge Kassiererin war der Tag des Überfalls der erste ihrer Ausbildung. Anschließend fehlte sie dann wochenlang. Sie habe immer noch Angst, wolle aber ihre Ausbildung durchziehen, sagte sie. Ihre Chefin sagte: „Die Überfälle machen die Menschen kaputt.“ Der Überfall im August sei der vierte innerhalb eines dreiviertel Jahres gewesen.

Mit der Aussage des Ermittlungsführers wird der Prozess gegen den Delmenhorster dann am Freitag, 17. Mai, fortgesetzt.