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Überfall in Delmenhorst Delmenhorster Raub-Opfer mit Falschaussage?

13.01.2016, 07:43 Uhr

Hohe Gefängnisstrafe oder Freispruch? Im Prozess um einen mutmaßlichen Überfall auf einen blinden Delmenhorster scheint kurz vor Ende alles möglich zu sein.

Der Prozess um einen mutmaßlichen Überfall auf einen blinden Delmenhorster in dessen eigener Wohnung neigt sich dem Ende entgegen. Am Dienstag hat die Verteidigung der Angeklagten nach einer letzten Zeugenaussage eine Prozesserklärung vor dem Landgericht Oldenburg verlesen, in der sie den Geschädigten der Falschaussage beschuldigt. Die Verteidigung begründete ihren Schritt mit Widersprüchen, welche sich zwischen den Schilderungen des 36-jährigen und anderen Zeugenaussagen auftäten.

Stich in die Schulter

Nach eigener Darstellung ist der Geschädigte im November 2012 von zwei maskierte Angreifern in der daheim überfallen, mit dem Messer bedroht, geschlagen und getreten worden. Einer der Angreifer soll ihm überdies, als er in den Hausflur habe fliehen wollen, in die Schulter gestochen haben. Schließlich hätten die Angreifer eine Geldkassette entwendet – allerdings eine leere.

Geschädigter identifizierte zwei „Freunde“

Aufgrund verschiedener Indizien, etwa der Stimmen, so der Geschädigte weiter, habe er zwei damalige „Freunde“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Täter identifiziert: einen 40- und einen 29-jährigen Mann aus dem Landkreis Diepholz. Beide Männer, denen die Staatsanwaltschaft einen Raub in besonders schwerem Fall vorhält, äußern sich nicht zu den Vorwürfen. Allerdings belastet sie unter anderem der polizeiliche Mitschnitt eines Telefongesprächs, in welchem einer der Angeklagten den Geschädigten kurz vor der Tat nachdrücklich gefragt hatte, ob er auch wirklich allein zu Hause sei.

Richter will sich Zeit für Beratung lassen

Am Mittwoch werden Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung ihre Schlussplädoyers vortragen. Das Urteil möchte die Kammer um den Vorsitzenden Richter Horst Kießler an einem gesonderten Termin und nach ausgiebiger Beratung verkünden.