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Überwachung ohne Ergebnis Drogenhandel-Prozess gegen Delmenhorster eingestellt

Von Ole Rosenbohm | 18.09.2017, 16:15 Uhr

Trotz eines immensen Aufwandes bei den polizeilichen Ermittlungen konnte einem Delmenhorster vor Gericht kein Drogenhandel nachgewiesen werden. Das Verfahren gegen den 51-Jährigen wurde eingestellt.

50 Mal, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, habe er mit Kokain gehandelt, bewiesen werden konnte ihm aber nichts: Am Landgericht Oldenburg ist am Freitag (15.9.) ein Verfahren gegen einen 51 Jahre alten Delmenhorster eingestellt worden, dem unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen wurde.

Polizei hat sich „verrannt“

In erster Instanz war der Mann vom Amtsgericht Delmenhorst freigesprochen worden. Doch die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, vielleicht auch um einen immensen Aufwand bei den Ermittlungen zu rechtfertigen. Denn neun Monate lang wurde der in einer Disko tätige Mann überwacht: durch Sender am Pkw, verdeckte Ermittler, den Einsatz einer Vertrauensperson oder Telefonüberwachung auf elf Leitungen. Durchsuchungen von Auto und Wohnung im September 2015 brachten auch nichts ein. Die Polizei habe „sich verrannt“, sagte die Bremer Anwältin Christine Vollmer.

Zeuge verweigerte die Aussage

Auf die Fährte brachte die Ermittler die Aussagen eines Mannes, gegen den unter anderem noch ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage läuft. Der Mann hatte zunächst erklärt, innerhalb eines Jahres 70 Mal je ein Gramm Koks beim Angeklagten gekauft zu haben, relativierte dann auf 50 Käufe und stritt am Ende ab, jemals etwas vom 51-Jährigen erhalten zu haben. Vor dem Landgericht verweigerte er jetzt lieber ganz die Aussage.

Wegen des laufenden Falschaussage-Verfahrens durfte er das.

Staatsanwaltschaft von Richterin belehrt

Die Staatsanwaltschaft hatte so kaum eine Chance. Am Ende wollte sie nur noch wenigstens einen Drogenverkauf nachweisen, musste sich aber von Richterin Petra Warnken belehren lassen, dieser eine Fall aus dem Oktober 2014 sei gar nicht mehr Gegenstand der Anklageschrift, da die schon im September ende. Immerhin verhinderte die Staatsanwaltschaft einen erneuten Freispruch – das Verfahren wurde eingestellt.