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Üppige und strukturierte Beete Gartenserie: Die englische Art des Gärtnerns

Von Jan Eric Fiedler | 22.04.2015, 21:12 Uhr

Wer einen schönen Garten anlegen möchte, braucht Inspiration. Diese kann Dr. Manfred Witte liefern: Der Gartenexperte aus Edewecht stellt beim Gartentag auf dem Nordwollegelände am Samstag, 25. April, ab 15 Uhr in den Räumen der Volkshochschule die Höhepunkte englischer Gartenkultur vor.

Seit 20 Jahren bereist er englische Gärten und kann bei seinem Vortrag auch aus einem Archiv von 20.000 Fotos schöpfen. Mit dem dk hat sich Witte über die englische, aber auch die deutsche Gartenkultur unterhalten.

Herr Witte, Sie sind Kenner der deutschen, niederländischen und englischen Gartenkultur. Wie sieht Ihr Garten aus? Deutsch, englisch oder niederländisch?

Dr. Manfred Witte: Das ist von allem etwas, ein Konglomerat deutscher, englischer und niederländischer Gartenkunst, aus naturnahem Garten. Es hat sich einfach so entwickelt. Wir haben von unseren Reisen Ideen mitgebracht und die dann umgesetzt.

Wo bestehen die großen Unterschiede zwischen den Gartenkulturen dieser drei Länder?

Die englische Gartenkultur ist geprägt durch eine enorme Pflanzenvielfalt und eine unfassbare Üppigkeit. Die niederländische Gartenkultur verbindet Tradition und Moderne: Man hat auf der einen Seite Formschnitt aus dem 16. Jahrhundert und auf der anderen Seite eine ganz moderne Bepflanzung mit robusten Stauden und Gräsern. Da prallen schon Welten aufeinander, aber das macht auch den Reiz aus.

Wo steht denn da im Gegensatz die deutsche Gartenkultur?

Ich will gar nicht groß Kritik üben an der deutschen Gartenkultur, denn sie hat sich schon mächtig geändert in Richtung Pflanzenvielfalt, Kreativität und, dass auch naturnahe Aspekte in die Gestaltung aufgenommen werden. Nur ich würde kein Anhänger von reinen Monokulturen sein, von reinen Rhododendron-Gärten oder Koniferen-Gärten, die man bei uns auch immer wieder antrifft. Das ist langweilig und damit holt man sich auch nicht die Natur in den Garten.

Wenn man in die Angebote der Gartencenter schaut, sieht man, dass das Angebot in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden ist. Findet hierzulande gerade ein Umdenken statt?

Auf jeden Fall. Sie haben da jetzt ein fantastisches Angebot. Wenn ich an die Zeiten vor 20 Jahren denke, in denen wir die ersten Male nach England gefahren sind. Da haben wir uns viel von dort mitgebracht. Das braucht man mittlerweile überhaupt nicht mehr. Da hat sich in den letzten Jahren viel gewandelt, was auch an der Nachfrage gelegen hat.

Bei englischen Gärten denkt man gleich an einen hohen Pflegeaufwand. Stimmt das?

Es ist insofern ein hoher Pflegeaufwand, weil die Gärten wesentlich größer sind. Wenn der Besitzer das alleine macht, fällt eine ganze Menge Arbeit an. Wir haben gerade bei unseren ersten Besuchen beobachtet, dass man dort das sogenannte „Thick Planting“ praktiziert, das dichte Bepflanzen. Das heißt, man sieht im Anschluss gar keine schwarze Erde mehr. Der Boden ist komplett bedeckt und man muss sich über Unkrautzupfen keine Gedanken mehr machen. Als Pflegemaßnahme hat man vor allem im Frühjahr das Zurückschneiden der Stauden und Bäume.

Die Gärten sind also wesentlich dichter bepflanzt.

Genau, und noch ein wichtiger Aspekt, der uns gerade bei unseren ersten Besuchen aufgefallen ist, ist dieses Wechselspiel zwischen Ordnung und Unordnung. Auf der einen Seite hat man – wie man es von englischen Gärten erwartet – einen ultrakurz geschnittenen Rasen und auf der anderen Seite findet man ein intensivstes Fugenwachstum zwischen den Steinplatten. Das würde bei uns wohl häufig weggekratzt werden. Das lässt man dort zu und es ergibt ein lebendiges Bild.

Wenn man so eine dichte Bepflanzung realisiert, muss man wahrscheinlich auch mehr am Konzept arbeiten, als wenn man die Pflanzen im Halbmeter-Abstand setzt.

Auf jeden Fall. Das sieht dann manchmal so aus, als ob einzelne Pflanzen in die Erde geschossen sind und drumherum ist alles schwarz. Die Leute müssen dann auch laufend Unkraut zupfen. Man muss sich beim dichten Bepflanzen schon genau überlegen, welche Stauden man nimmt, wie die sich ausbreiten, wie das Farbkonzept ist und dass die Höhenstaffelung stimmt. Das braucht eine gewisse Erfahrung. Mittlerweile bringen aber Gartenzeitschriften auch schon Pflanzkonzepte mit heraus, an denen man sich orientieren kann.