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Um Mautzahler zu kontrollieren Delmenhorster Firma baut „schlaue Schilder“

Von Merlin Hinkelmann | 31.12.2016, 11:50 Uhr

Sicher ist: Die Pkw-Maut kommt. Nicht sicher ist: wann genau. Um die Mautzahler zu kontrollieren, sollen die Kennzeichen künftig elektronisch abgeglichen werden. Das Delmenhorster Unternehmen Tönnjes hat bereits eine passende Technik entwickelt.

Wenn man Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt glaubt, soll die Pkw-Maut im kommenden Jahr an den Start gehen. Statt der klassischen Klebe-Vignette setzt Dobrindt auf den elektronischen Abgleich über das Kennzeichen. Wie diese Idee technisch umgesetzt werden soll, ist hingegen noch unklar. Im Gespräch sind Kameras, die ein digitales Foto des Kennzeichens erstellen.

Unternehmen hat Feldversuch gestartet

Der Delmenhorster Schilderhersteller Tönnjes hält diese Lösung allein jedoch für ineffizient und plädiert für den Einsatz von sogenannten Chip-Kennzeichen. Hintergrund: Das Unternehmen hat in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Verteidigungsministerium einen groß angelegten Feldversuch realisiert. Teilweise konnten die Kameras nur in 62 Prozent der Fälle die Kennzeichen erfassen. Grund ist, dass die Kameras durch Schnee, Regen, Nebel oder verschmutzte Kennzeichen schnell an ihre Grenzen stoßen.

Kamera allein arbeitet unzuverlässig

„Die Verantwortlichen sollten sich die Frage stellen, ob man in Deutschland ausschließlich auf Kameraerfassung setzen möchte“, gibt Dietmar Mönning, Geschäftsführer bei Tönnjes, zu bedenken. Unter dem Strich würde der Bund möglicherweise hohe Einnahmen verlieren: „Nicht nur, dass Verkehrssünder bei schlechtem Wetter unbescholten davon kommen. Dem Bund entgehen dadurch auch rund 40 Prozent der Einnahmen.“ Bei durchschnittlich 121 Regentagen im Jahr sei das eine „beachtliche Summe“. Deutlich effektiver und zuverlässiger sei das Verfahren durch ergänzende elektronische Kennzeichen mit einem RFID-Chip, wie ihn Tönnjes entwickelt hat.

Daten verschlüsselt

Eine Kombination beider Systeme – Kamera und Chip – identifiziere nahezu 100 Prozent aller Fahrzeuge. „Die RFID-Technologie könnte die Lösung sein. Den Entscheidungsträgern in Berlin ist unser System aber noch nicht ausreichend bekannt“, meint Dietmar Mönning. Das sieht in anderen Ländern anders aus: Laut Mönning seien die Niederlande wegen des erfolgreichen Feldversuchs sehr an dem System interessiert. Und in Südamerika hätten sich schon einige Länder für die Chip-Lösung des Delmenhorster Schilderherstellers entschieden. Tönnjes hebt noch einen weiteren Vorteil der Chip-Technik hervor: Durch eine spezielle Verschlüsselung könnten die Daten der Mautzahler nicht in falsche Hände gelangen.