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Um Schäden festzustellen Bauverein Delmenhorst setzt auf Drohne

Von Merlin Hinkelmann | 02.06.2017, 10:41 Uhr

Der Bauverein Delmenhorst hat erstmals eine Drohne eingesetzt, um seine Gebäude aus der Luft zu filmen. Das Ziel: Dachbeschädigungen erkennen und wichtige Daten für die Gartenpflege und den Winterdienst sammeln.

Erst kürzlich surrte eine Drohne über die Mietshäuser des Delmenhorster Bauvereins. Veranlasst hatte das Reiner Fulst, Vorsitzende der Genossenschaft, aus einem ganz bestimmten Grund: In regelmäßigen Abständen muss der Verein die Dächer seiner Häuser überprüfen und schauen, ob Dachpfannen beschädigt sind. Bisher hat diese Aufgabe ein Dachdecker übernommen. Bei mehr als 100 Ein- und Mehrfamilienhäusern, die der Bauverein bewirtschaftet, eine zeitintensive Aufgabe. Deshalb hat Fulst umgedacht – und die Quadratis GmbH eingeschaltet. Die Firma aus Paderborn hat sich auf Drohneninspektionen spezialisiert.

Drohne fliegt automatisch

Um die 120 Fotos hat das 1,5 Kilogramm schwere Fluggerät geschossen. Rund 20 Mal musste die Drohne dafür abheben – und auf 40 Meter Höhe aufsteigen. Ivo van Weezel, Geschäftsführer der Quadratis GmbH, erklärt das Prinzip: „Die Drohne fliegt ganz automatisch. So präzise, wie es ein Mensch gar nicht könnte.“ Der Bauverein hatte dem Unternehmen zuvor eine Bestandsliste gegeben, auf denen die Grundstücksgrenzen vermerkt sind. Anhand dieser Informationen wurde die Flugroute der Drohne programmiert. Die Drohne schießt Fotos, später werden diese übereinandergelegt, sodass eine Karte entsteht. „Das kann man sich wie bei Google Maps vorstellen, nur gestochen-scharf“, betont Fulst.

Nützlich für Winterdienst und Gartenpflege

Auf den Bildern kann Fulst jede Beschädigung auf den Dächern genau erkennen. „Der Dachdecker weiß dann sehr präzise, wo Reparaturbedarf besteht.“ Und der Drohnenflug hat noch einen weiteren Vorteil: Dadurch, dass die Drohne auch Rasenflächen und Wege aus der Luft festhält, kann die Wohnungsbaugenossenschaft die Daten für den Winterdienst oder die Gartenpflege nutzen. „Durch die neue Informationsqualität können wir deutlich besser für die Zukunft planen“, sagt Fulst. „Auch bauliche Veränderungen werden durch die Luftaufnahmen direkt sichtbar.“ In regelmäßigen Abständen will er ab sofort die Drohne aufsteigen lassen, ungefähr ein Mal im Jahr.

Ordnungsamt und Polizei wurden vorab informiert

Eineinhalb Tage hat die erste Drohneninspektion gedauert. Die Mieter der rund 630 Wohnungen hatte Fulst vorher informiert und in allen Häusern entsprechende Ankündigungen ausgehängt. Die Resonanz sei durchweg positiv ausgefallen. „Die Menschen sind sehr interessiert, haben keine Scheu“, erzählt Fulst. „Transparenz ist bei solchen Angelegenheiten entscheidend.“ Die Zusammenarbeit mit den Behörden habe im Übrigen „sehr gut“ funktioniert. Die Flugstrecke liege im Bereich des Bremer Flughafens, so van Weezel. „Deshalb brauchten wir eine Genehmigung.“ Die bekamen sie auch. Nachdem die Deutsche Flugsicherung ihr Okay gegeben hatte, wurden das hiesige Ordnungsamt und die Polizei informiert. Auch sonst verlief die Aktion reibungslos: „In Delmenhorst mit der Drohne zu fliegen, ist vergleichsweise entspannt“, berichtet van Weezel. „Wenn man in der Kölner Innenstadt unterwegs ist, sieht das schon anders aus.“