Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Umbruch im Stadtarchiv Das Gedächtnis Delmenhorsts wird digitalisiert

Von Dirk Hamm | 15.07.2017, 13:12 Uhr

Auch ein Archivar muss sich hin und wieder von Materialien trennen können, das weiß Christoph Brunken nur zu gut. „Wenn wir alle Dokumente aufbewahren wollen, müssten wir jedes Jahr anbauen“, sagt der neue Herr über unzählige Akten, Dokumente, Zeitungsausschnitte, Bilder und Nachlässe, die in den Regalen des Delmenhorster Stadtarchivs lagern.

Am 1. März hat Brunken seinen Dienst als Stadtarchivar angetreten. Ein paar Monate hat er nun Zeit gehabt, eine erste Bestandsaufnahme seiner neuen Wirkungsstätte vorzunehmen. „Ich habe begonnen, den Bewertungsrückstau anzugehen“, sagt Brunken. Eine arbeitsintensive Aufgabe, die viel Zeit des Archivars bindet.

Denn sehr viele Unterlagen, die in den Regalen Staub angesetzt haben, sind bislang nicht erschlossen worden. „Das Archiv hat über Jahrzehnte mehr Akten bekommen, als abgearbeitet werden konnten“, hat der Stadtarchivar festgestellt. Nicht immer fällt es schwer, eine klare Abgrenzung zu ziehen, was für die Nachwelt erhaltenswert ist und was aussortiert werden kann: „Wir müssen von der Verwaltung nicht jeden Strafzettel übernehmen.“

Nicht jedes Dokument muss aufbewahrt werden

Der 38-Jährige ist bestrebt, den Aktenbestand auszudünnen und bei neu zu übernehmenden Verwaltungsakten sich auf eine möglichst kleine, aussagekräftige Auswahl zu beschränken. Welche Archivalien schließlich den Relevanztest bestehen und welche nicht, sei immer eine Bewertungsfrage: „Nicht jeder Feldpostbrief oder jedes private Fotoalbum ist archivwürdig im kulturellen und kommunalen Sinne.“ In jedem Einzelfall sei zu überprüfen, ob das fragliche Dokument „für die Bürger von heute und die Forscher von morgen“ von Interesse ist.

In einigen Bereichen lassen gesetzlich geregelte Aufbewahrungspflichten hingegen keinen Entscheidungsspielraum, erläutert Brunken. Die Unterlagen des Personenstandsregisters müssen demnach sogar zeitlich unbegrenzt aufbewahrt werden – „bis zur nächsten Eiszeit“, wie er salopp formuliert.

Ziel ist die elektronische Archivdatenbank

Ein zentrales Projekt in der Arbeit von Christoph Brunken wird in den kommenden Jahren die Digitalisierung zumindest besonders relevanter und nachgefragter Bestandteile des Archivs sein. Eine Arbeit, die sein Vorgänger Werner Garbas „dankenswerterweise“ schon begonnen hatte, mit der Erfassung des umfangreichen Bestands an Magistratsakten der Stadt Delmenhorst in Word-Dateien. Diese Erfassung mit prägnanten Zusammenfassungen der einzelnen Verwaltungsvorgänge ist nur die eine Seite der Digitalisierung. Daneben, so Brunken, gehe es darum, eine elektronische Archivdatenbank aufzubauen, auf die der Bürger vom heimischen PC aus zugreifen kann.