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Umfrage der IHK Oldenburg Wirtschaft gibt Delmenhorst die Schulnote 2,9

Von Thomas Breuer | 24.04.2017, 19:42 Uhr

71 Prozent der Delmenhorster Unternehmer würden sich wieder für ihren gewählten Standort entscheiden. Das ist die laut Oldenburgischer Industrie- und Handelskammer (IHK) gute Botschaft aus der Standortumfrage 2016, deren Ergebnisse am Montag öffentlich wurden.

Insgesamt geben die lokalen Wirtschaftslenker Delmenhorst auf Basis der für sie wichtigen Faktoren – Infrastruktur, Arbeitsmarkt, wirtschaftliches Umfeld, Standortkosten, Verwaltung und allgemeines Umfeld – im Durchschnitt die Schulnote 2,9. 51 von 326 angesprochenen Unternehmern beteiligten sich.

IHK-weit liegt die Durchschnittsnote bei 2,3

Für das IHK-Gesamtgebiet, das von der Nordseeküste bis an den Landkreis Osnabrück heranreicht, lautet die Durchschnittsnote 2,3. Sie resultiert aus den Bewertungen von rund 1300 Betrieben. Insgesamt 6000 Firmen waren IHK-weit Ende 2015 um eine Teilnahme gebeten worden.

Auf Delmenhorst bezogen, ist die Diskrepanz zwischen der Bedeutung eines Standortfaktors und der damit verbundenen Zufriedenheit bei der Stadtverwaltung am größten. Während deren Bedeutung auf einer Skala von 1 (sehr wichtig) bis 6 (völlig unwichtig) mit einer 2 bewertet wurde, gab es für die Zufriedenheit mit deren Leistungen lediglich eine 3,8. Bei der Dauer von Genehmigungsverfahren sowie beim Kostenbewusstsein schnitt sie schlecht ab. Mit der schlechtesten Teilnote überhaupt, einer 4,3, ist die Attraktivität der Innenstadt belegt worden, wohlgemerkt vor etlichen Monaten.

Genehmigungsverfahren sollen schneller erfolgen

Stadtbaurätin Bianca Urban sagte bei der Vorstellung der Zahlen in der Firma Christoffers an der Wissmannstraße, sie sehe die Verwaltung etwa bei Genehmigungsverfahren inzwischen auf einem besseren Weg. „Bei Genehmigungsverfahren liegen die Bearbeitungszeiten bei einem bis drei Monaten“, sagte sie. Dies bei einer deutlichen Zunahme von Bauanträgen.

Die Innenstadt sieht Oberbürgermeister Axel Jahnz nicht nur durch die inzwischen weit vorangeschrittenen Arbeiten an der Fußgängerzone, die Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen, auf dem richtigen Kurs. „Sie zieht viele Menschen an“, so Jahnz. „Das hat man beim Autofrühling gesehen.“ Er verspricht den Unternehmen in der City ein weiteres Stück Investitionssicherheit durch die Fortschreibung des rechtsverbindlichen Einzelhandelskonzepts, das der Stärkung der Innenstadt weiterhin Priorität einräumen wird.

„Entscheidungen zügig und konsequent umsetzen“

Das hörte Stefan Schnier, Vorsitzender des IHK-Beirates Delmenhorst/Oldenburg-Land, gerne. Lautet doch eine der wesentlichen Handlungsempfehlungen, die die IHK aus der Standortumfrage ableitet: „Einmal getroffene Entscheidungen müssen zügig und konsequent umgesetzt werden.“

„In Delmenhorst herrscht insgesamt eine gute Stimmung“, ist sich Axel Langnau, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft sicher. Er verweist unter anderem auf den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Jobs vor Ort von 17.500 auf 20.500 in den vergangenen Jahren und die laufenden Anstrengungen für ein Konzept zum Standortmarketing.

Manko bei möglichen Erweiterungsflächen

Auch wenn die Delmenhorster Unternehmen mit den Straßenverbindungen und der Nähe zu Kunden und Absatzmärkten besonders zufrieden sind, so sehen sie doch ein Manko bei möglichen Erweiterungsflächen. Langnau stimmte zu: „Die Gewerbeflächen in Delmenhorst sind nicht ausreichend.“ Er geht davon aus, dass der Gewerbe- und Technologiepark (GUT) Langenwisch binnen zwei Jahren komplett „vollgelaufen sein wird“. Anfragen nach freien Flächen gebe es reichlich. Auch deshalb werde gegenwärtig an einem Gewerbeflächenkataster gearbeitet, das auch die Flächen in privater Hand erfasst, die bebaut werden könnten, teilweise aber noch als landwirtschaftliches Grünland genutzt werden. Es soll zur Jahresmitte vorliegen.

Stadtbaurätin will mehr Gewerbe in Stickgras

Ergänzend sagte Stadtbaurätin Urban am Montag vor der Presse mit Blick auf das Pultern-Areal in Stickgras: „Ich halte eine gewerbliche Weiterentwicklung an der Stelle für ganz wichtig.“

Mehr unternehmenstaugliche Gewerbeflächen auszuweisen, lautet eine weitere Handlungsempfehlung der Kammer. „Die Stadtverwaltung muss für eine bessere Ausnutzung von Leerständen und Brachflächen sorgen“, heißt es dazu.

Hochschulstandort in Deichhorst?

Um ausreichend Fachkräfte für den Standort Delmenhorst zu begeistern und auch deren Ausbildung zu intensivieren, regt Dirk Christoffers, stellvertretender Vorsitzender es IHK-Beirats Delmenhorst/Oldenburg-Land, an, die Chancen für einen Hochschulstandort Delmenhorst auszuloten. Sein Blick richtet sich dabei vor allem auf das Klinikum-Gelände in Deichhorst, das frei wird, wenn voraussichtlich 2021 das neue Josef-Hospital in der Stadtmitte eröffnet. Die Voraussetzungen scheinen ideal, durch die Nähe zum Hanse-Wissenschaftskolleg und auch, weil das weitläufige Gelände mit viel Waldbestand im Besitz der Stadt ist. Am vergangenen Donnerstag hat sich laut Jahnz in der Verwaltung erstmals eine Gruppe mit den möglichen Perspektiven des Areals befasst.

„Weitere mutige Entscheidungen werden nötig sein“, meinte Christoffers. „Aber auch scheinbar einfache Dinge wie die Begrünung und Reinhaltung der Innenstadt sind von großer Bedeutung.“