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Umsätze brechen ein Delmenhorster Videothek steht vor dem Aus

Von Merlin Hinkelmann | 25.03.2017, 09:49 Uhr

In Zeiten von Netflix, Amazon Prime Video und Co. sind sie vom Aussterben bedroht: Videotheken. Das bekommen auch die Filmverleihe in Delmenhorst zu spüren.

In der Videothek um die Ecke nach dem neuesten Bond-Streifen stöbern? Das war einmal. Heute streamen Filmfans Blockbuster und Serien im Netz. Ganz bequem per Mausklick. Das Fernsehverhalten hat sich verändert – Verlierer dieser Entwicklung sind die Videotheken. Sie verschwinden still und leise, müssen dabei zusehen, wie ihnen die Digitalisierung mehr und mehr das Wasser abgräbt. In Delmenhorst gibt es noch zwei Überlebende: „Empire“ an der Stedinger Straße und „World of Video“ an der Syker Straße.

Konkurrenz durch Streaming-Dienste

Wie gesagt: Noch. Denn „World of Video“ hat den Kampf gegen die Streaming-Dienste nun verloren und wird Ende Mai seine Tore schließen. Grund dafür sind „stark rückläufige Umsätze“, wie Norma Matthes, Prokuristin der Heinz Strassburg GmbH auf dk-Anfrage mitteilt. Das Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Martfeld ist Franchise-Anbieter der „World of Video“-Kette. Zu Beginn der 2000er Jahre gehörten rund 50 Ladenlokale zu dem Unternehmen, inzwischen sind es um die 20. Matthes sieht den Hauptgrund für das Videotheken-Sterben in der wachsenden Konkurrenz durch legale, aber auch illegale Angebote im Internet. „Die Kunden wollen auf dem Sofa sitzen und ihre Filme im Netz schauen. Diesen Trend können wir nicht aufhalten“, erklärt Matthes.

„Am Ende entscheidet der Kunde“

Daran ändere auch das immer größere werdende Angebot in den Videotheken nichts. DVDs und Blu-rays, 3D und 4k: „Da können wir noch so gut aufgestellt sein, am Ende entscheidet der Kunde.“ Und dennoch glaubt Matthes nicht an den Untergang der Branche. Allen Unkenrufen zum Trotz. Denn Videotheken böten aus ihrer Sicht einige wichtige Vorteile gegenüber den Streaming-Anbietern. In puncto Neuerscheinungen etwa seien Videotheken dem Internet einen Schritt voraus: „Klar, im Netz gibt es unendlich viel Auswahl. Um ganz neue Filme zu sehen, müssen Kunden aber häufig draufzahlen. Das ist bei uns anders, wir haben feste Verleihpreise.“ Nach jetziger Planung ist Ende Mai Schluss mit „World of Video“, bis dahin hat der Laden noch geöffnet.

Branchenverband verzeichnet sinkende Zahlen

Das Aus steht symptomatisch für die Situation einer ganzen Branche. Nach Angaben des Interessenverbandes des Video- und Medienfachhandels gab es im Jahr 2015 noch 1212 Videotheken deutschlandweit, davon 146 in Niedersachsen. Auch bei „Empire“ bekommt man den Wandel zu spüren. Nicht mehr lange, dann wird der Laden der einzige seiner Art in Delmenhorst sein. „Das Thema Videotheken-Sterben beschäftigt uns schon lange“, sagt Geschäftsführer Habib Bejaoui. Er kenne keinen, der heutzutage noch eine Videothek eröffne. Seitdem seine Kunden von der Schließung der „World of Video“-Filiale erfahren haben, sind die Umsätze weiter gefallen. „Vor allem die illegalen Streaming-Seiten sind das Problem. Heute kommt ein Film ins Kino, morgen ist er online. So läuft das.“ Und auch wenn die Qualität im Netz nicht zu vergleichen sei mit der hohen Bildqualität bei Blu-rays, „nimmt der Otto-Normalverbraucher das in Kauf“. Im Internet müsse man mindestens zwei oder mehr Abos abschließen, um alle Serien zu sehen – ein weiteres Plus der Videotheken. Immer mehr Läden veranstalten derzeit Räumungsverkäufe. „Mit exorbitantem Erfolg“, wie Bejaoui betont. Er sieht das so: „Die gesamte Branche befindet in einem geordneten Rückgang.“