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Umstrittene Straße in Delmenhorst Lettow-Vorbeck-Straße soll ihren Namen doch behalten

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 11.05.2016, 10:50 Uhr

Die Lettow-Vorbeck-Straße in Delmenhorst soll ihren Namen nun doch behalten. Dies hat der Planungsausschuss in seiner Sitzung am Dienstag mehrheitlich empfohlen.

Die SPD hatte beantragt, den Namen des Offiziers aufgrund seiner Rolle im deutschen Kolonialismus vom Straßenschild zu nehmen und die Straße stattdessen nach der Schriftstellerin Irmgard Keun zu benennen .

Anwohner kritisieren Vorgehen

Auch zahlreiche Anwohner der Straße hatten die Sitzung besucht und sich in der Bürgerfragestunde an der Debatte beteiligt. „Der Rat hat die Stadt beauftragt, die Bürger nach ihrer Meinun g zu fragen. In der Vorlage wird mit keinem Wort darauf Bezug genommen“, kritisierte ein Anwohner. „Der Auftrag der Politik wird von der Verwaltung ignoriert“, folgerte er daraus. Das Ergebnis der Befragung ist eindeutig, wie der Ausschussvorsitzende Heinrich-Karl Albers (CDU) anschließend bekannt gab. Von 16 Hauseigentümern an der Straße hatten 14 ihre Stimme abgegeben. Alle waren gegen eine Umbenennung. „Die Bürger haben entschieden“, urteilte entsprechend auch Hermann Thölstedt (CDU).

Glöckner: „Hochkarätiger Mörder“

Die SPD blieb bei ihrer Haltung: „Ich verstehe die ganze Aufregung. Aber es sind auch vorher schon Straßen umbenannt worden“, argumentierte Gerhard Berger. Paul Wilhelm Glöckner (Bürgerforum) schloss sich dem an: „Wir vom Bürgerforum sind eigentlich auf der Seite der Bürger. Hier haben wir es aber mit einem hochkarätigen Mörder zu tun“, sagt er.

Pro Delmos will Prüfung aller Straßennamen

Volker Wohnig (Pro Delmos) erneuerte seine Forderung, alle Straßennamen in Delmenhorst kritisch zu überprüfen. Deshalb versuchte er zu Beginn der Sitzung, die Umbenennung von der Tagesordnung zu nehmen. Dies stieß bei den übrigen Ausschussmitgliedern jedoch auf Ablehnung. Wohnigs Auffassung nach seien unter den 1000 Delmenhorster Straßennamen 100 kritisch zu betrachten, weitere 50 seien „sehr kritisch“. Dem schloss sich auch Marianne Huismann (Grüne) an: „Man sollte das vernünftig prüfen. Da müssen Wissenschaftler ran, die uns etwas an die Hand geben. Das kann man nicht einfach nach Gefühlslage entscheiden.“ Davor warnte Ulf Kors, der als beratendes Mitglied für den Seniorenbeirat im Ausschuss vertreten ist: „Wenn wir das durchziehen, machen wir ein ganz großes Fass in Delmenhorst auf“, prophezeite er. Der Beschluss des Planungsausschusses muss nun noch von Verwaltungsausschuss und Rat bestätigt werden.