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Umweltschonende Variante Delmenhorster Fahrschule setzt auf das E-Auto

Von Marco Julius | 31.12.2016, 09:35 Uhr

Die „musterschule“ von Erik Weißbrodt bietet ab Januar den „Smart Green Tarif“ an. 80 Prozent der Fahrausbildung finden dann in einem Elektro-Auto statt.

Erik Weißbrodt, Inhaber der „musterschule“, tritt Innovationen stets aufgeschlossen gegenüber. Und manchmal, da geht er dann eben auch voran. Ab Januar bietet seine „musterschule“ an der Syker Straße 93 nach seiner Aussage als erste Fahrschule in Norddeutschland überhaupt die praktische Fahrausbildung für den Führerschein Klasse B mit einem E-Auto an. Der schmucke BMW i3 steht bereits vor der Tür. „Wir bieten ab Januar alternativ den ,Smart Green Tarif‘ an“, erläutert der 29-Jährige die Zukunft in seiner Fahrschule. „80 Prozent der Ausbildung werden dann auf dem E-Auto absolviert, dann wechselt der Fahrschüler kurz an den Simulator, um das Schalten zu erlernen, der BMW i3 ist ein Automatikfahrzeug. Und dann geht es zum Schluss mit einem Schaltwagen mit Verbrennungsmotor auf die Straße“, erklärt Weißbrodt. Eine Ausbildung nur mit dem E-Auto sei nicht attraktiv, weil dann anschließend auch nur Automatikautos gefahren werden dürften.

Umweltbewusst und materialschonend

Die Zielgruppe des neuen Angebots ist weit gefasst. „Wir richten uns an jeden, der ein Interesse hat. Aber natürlich spielt der Umweltgedanke eine wichtige Rolle, bei uns und auch bei vielen Fahrschülern.“ Mit dem E-Auto will Weißbrodt seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Denn mit dem E-Auto fällt nicht nur der herkömmliche Kraftstoffverbrauch weg, die Elektro-Variante sei auch weniger anfällig, weil eben nicht geschaltet werden muss. Man fahre materialschonend.

In die Ausbildung integriert sind auch Fragestellungen wie: Wie funktioniert das Aufladen? Oder: Wo finden sich öffentliche Ladestellen? Weißbrodt will durchaus auch dafür werben, dass Fahrschüler später selbst mal ein E-Auto kaufen.

„E-Auto ist die Zukunft“

Er weiß, dass die Autos noch sehr teuer sind, rund 40000 Euro hat er selbst in sein Ausbildungsfahrzeug investiert. Und auch die Reichweite sei für den normalen Verbraucher mit etwa 230 Kilometern sicher noch nicht optimal, gleiches gilt für die Ladezeiten und das lückenhafte Netz der Ladestationen. Aber für den Fahrlehrer ist klar: „Das E-Auto ist die Zukunft. Darauf müssen wir uns auch als Fahrschule einstellen.“

Das E-Auto habe aber in der Ausbildung noch einen entscheidenden Vorteil: „Der Fahrschüler kann sich bei den ersten Fahrten ganz auf das Wesentliche konzentrieren: lenken, Gas geben, bremsen, den Verkehr im Auge haben. Das Schalten fällt weg.“ Erste Anmeldungen für den neuen Tarif hat Weißbrodt bereits entgegengenommen. Und nicht nur angehende Fahrschüler haben sich bei ihm gemeldet: Für Anfang des Jahres kündigen sich bereits diverse Fernsehsender an, um über das neue Projekt zu berichten. Weißbrodt freut sich über das Interesse, das ihm letztlich auch helfen wird, seine Vision durchzusetzen. „Sollte der Tarif gut laufen, kann ich mir vorstellen, dass wir Mitte 2017 bereits ein weiteres E-Fahrzeug kaufen und einsetzen“, sagt er.

Viele Berufskollegen skeptisch

Dass viele seiner Berufskollegen der Sache noch skeptisch gegenüberstehen, stört ihn nicht. Diese Erfahrung hat er bereits vor anderthalb Jahren gemacht, als er in der Fahrausbildung auch auf die Unterstützung durch einen Fahrsimulator gesetzt hat. Den möchte er heute nicht mehr missen, weil er mit ihm das Fahrtraining viel effektiver umsetzen könne. „Das kommt auch bei den Fahrschülern bestens an.“ Man müsse mit der Zeit gehen, auch als Fahrschule, sagt Weißbrodt. Er denkt sogar schon weiter. „Wer weiß, ob es in zehn oder 15 Jahren noch Fahrschulen in der heutigen Form braucht. Stichwort autonomes Fahren. Auch da müssen sich Fahrschulen wandeln.“

Fahrschüler werden vernünftiger

Wer sich auf dem BMW i3 schulen lassen will, zahlt für eine Fahrstunde übrigens sogar etwas weniger, weil der Verbrauch wegfällt. Insgesamt seien die Kosten aber vergleichbar mit denen bei einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Sorge, dass vielleicht gerade junge männliche Fahrschüler das Fahren mit einem E-Auto uncool finden könnten, hat Weißbrodt überhaupt nicht. Nicht nur, weil der BMW durchaus was her macht. „Die Fahrschüler sind insgesamt in den vergangenen Jahren immer vernünftiger geworden. Jungs, die sich und ihre Männlichkeit über das Auto definieren, werden immer weniger.“

Fahrlehrer schwärmt für E-Auto

Weißbrodt selbst kommt ins Schwärmen, wenn er von Fahrten im i3 berichtet. Diese Begeisterung will er künftig auch seinen Fahrschülern vermitteln. Und so ganz nebenbei auch etwas für die Umwelt zu tun.