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„Uncle Ben‘s“-Aktion in Delmenhorst Sponsoring an Schulen – Wie viel Werbung ist okay?

Von Frederik Grabbe | 14.06.2016, 10:51 Uhr

Ist Sponsoring an Schulen zulässig? Und wenn ja, in welchem Maße? Anlass für diese Fragen gibt eine Kochaktion des Lebensmittelherstellers „Uncle Ben‘s“, an der sich die Grundschule Am Grünen Kamp beteiligt hatten.

Wie weit darf Sponsoring an Schulen gehen? Diese Frage könnte sich stellen, wer eine Pressemitteilung des Lebensmittelherstellers Uncle Ben‘s sieht. Was war passiert? Ende Mai waren eine zweite und eine vierte Klasse der Grundschule Am Grünen Kamp bei der Kauflandfiliale am Reinersweg zu Gast. Unter dem Motto „Gesundes Kochen für Kinder“ wurden mit Gemüse, Reis und Sauce Wraps zubereitet. Auf den mitgeschickten Bildern sind Kinder zu sehen, die im Getränkeabteil neben Uncle Ben’s Bannern und gestapelten Bierkisten an einem Tisch Gemüse schneiden. Sollen hier Kinder, oder passiv deren Eltern, zum Kauf verleitet werden?

Förderung des gemeinsamen Kochens? Oder Kaufanreiz?

In dem dazugehörigen Text teilt das Lebensmittelunternehmen mit: „Kinder lernen so viel von uns – so auch das Kochen!“ Das Unternehmen wolle mit der Aktion das Familienessen fördern, „jeder dritte Haushalt mit Kindern hat außerhalb des Frühstücks keine regelmäßige gemeinsame Mahlzeit, rund 70 Prozent kochen nicht regelmäßig mit der Familie.“

„Sponsoring nicht positiv, aber der Nutzen überwiegt“

Martina Hehr, Lehrerin an der Grundschule, kann an der Aktion nichts Schlimmes finden. Man sei von einem Vater einer Schülerin eingeladen worden, als Werbeaktion habe sie das Kochen nicht wahrgenommen. „Verkaufen wollte man uns auch nichts und die Kinder waren in erster Linie am Schnippeln und Kochen interessiert.“ Grundsätzlich sehe sie Sponsoring an Schulen „nicht so positiv“, doch sei in diesem Fall der pädagogische Nutzen durch den gemeinsam unternommenen Ausflug höher gewesen. Die Schulleiterin Karen Ebers pflichtet der Lehrerin bei. „Ich habe nichts gegen Werbung, solange sie sich in Grenzen hält.“ So werde diese Woche beispielsweise das Schulfest mithilfe der Sparkasse ausgerichtet und im vergangenen Dezember habe das Modehaus C&A 2000 Euro für eine neue Schaukel auf dem Schulhof gespendet. „Wir möchten den Kindern ein gutes Lernumfeld ermöglichen. Da muss man sich um Sponsoren kümmern. Der Schuletat jedenfalls hätte keine Schaukel hergegeben.“

Generalkritik seitens des Schulelternrats an Schulausstattung

Dass das Sponsoring an Schulen viel Unsicherheit birgt, dies findet die Schulelternratsvorsitzende Petra Suhrkamp. „Generell haben Eltern ein gutes Gefühl für das, was geht und was wirklich schwierig ist.“ Trotzdem sieht sie eine Grauzone, in der Eltern mehr Halt bräuchten, so Suhrkamp. „In Sachen Sponsoring fehlt uns einfach die Kenntnis über die Rechtsgrundlage. Hier müsste uns die Landesschulbehörde mehr Informationen bereitstellen.“ Dass die Schule am Grünen Kamp sich an einer Kochaktion von Uncle Ben‘s beteiligt hat, ist für sie vor allem Ausdruck von Mangel. „Der Zustand der Schulen in dieser Stadt ist erschreckend“, kritisiert Suhrkamp, „wenn nicht einmal räumliche Mängel beseitigt werden können, wie soll dann das Geld für ein eigenständiges Kochen zusammenkommen?“ So gesehen müsse man fast dankbar für ein Angebot wie das von Uncle Ben‘s sein.

„Gratwanderung für Schulleitungen“

Eine „Gratwanderung“ sieht auch die Schulleiterin Ulla Coldewey von der Astrid-Lindgren-Schule. Panini-Hefte beispielsweise hätten einen Sammelcharakter und regten so zum Kauf an – zum Nachteil der finanziell minder gut aufgestellten Familien. Ein anderes Beispiel seien Zirkus-Karten zum Sonderpreis, „sicher gibt es einen Rabatt, aber die Karte will trotzdem bezahlt werden.“ Werde eine Kaufverpflichtung eingegangen, ist die Grenze überschritten, so Coldewey. Im Zweifel müsse sich die Schulleitung mit dem Schulelternrat zusammensetzen und eine Auskunft der Landesschulbehörde einholen.

„Verlockende Angebote abgelehnt“

„Einen kritischen Blick“ verfolge die Parkschule in dieser Frage. „Ist der Sponsor sozial engagiert und steht die Aktion im verträglichen Verhältnis zum gewerblichen Interesse?“, seien beispielsweise Fragen, die es zu beantworten gelte, klopfe ein solcher Sponsor an. Und dies komme durchaus vor. So seien Gelder der LzO im Rahmen eines Sozialprojektes zur Anschaffung von Gitarren akzeptiert worden, sagte Schulleiter Hartmut Seedorff. Bei anderen Angeboten habe er dankend abgelehnt – obwohl diese verlockend gewesen seien. Details nennt er nicht. Doch sei über Klauseln gesprochen worden, die „Mitbewerber“ des Sponsors von einer bestimmten Aktion ausgeschlossen hätten. „Wir arbeiten darum gerne mit den Rotariern. Damit kann ich nachts besser schlafen.“