Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Unfall vor vier Monaten Lkw zerstörte Salon: Delmenhorster Friseurin möchte Neustart wagen

Von Kristina Müller | 16.10.2017, 21:30 Uhr

Vor rund vier Monaten zerstörte ein Lastwagen bei einem Unfall den Salon „Haarmoniee“ an der Lessingstraße in Die Inhaberin möchte jetzt aber trotz Trauma einen Neustart wagen.

Vier Monate ist es her, doch sie erinnert sich daran, als wäre es gestern gewesen: Julia Wellmann hatte gerade in ihrem Friseursalon „Haarmoniee“ einen Kunden betreut, als plötzlich ein Lastwagen in der Kurve von der Mühlenstraße zur Nutzhorner Straße in ihren Laden krachte.

Wellmann erlitt einen Schock und Nervenzusammenbruch, wie sie erzählt, einen Krankenwagen lehnte sie damals aber ab. „Meine Kunden hatten mich betreut“, erinnert sie sich. Doch noch heute leidet sie unter den Erlebnissen: „Ich bin in der Zeit nur von Arzt zu Arzt gelaufen und habe versucht, mich abzulenken. Die Angstzustände gehen erst einmal nicht weg. Ich hätte nicht gedacht, dass das so lange dauert, aber ich bin eine Kämpferin.“

Folgen des Unfalls noch Monate später

Von der Wucht des Aufpralls erlitt sie sogar Verletzungen an den Beinen von den Glassplittern ihres Schaufensters, die sie allerdings zunächst nicht bemerkte. „Ich hatte dann aber noch zwei Monate lang die Folgen davon“, sagt sie, krempelt ihre Hose hoch und zeigt die Narbe am Schienbein. „Kleider oder Röcke kann ich jetzt nicht mehr tragen.“

Das Auto, das dabei vor dem Laden zerquetscht wurde, war Wellmanns Leihwagen, weil ihr Auto in der Werkstatt war. „Sonst habe ich mein Auto immer um die Ecke geparkt. Dadurch, dass ich den Leihwagen aber ausnahmsweise mal vorne stehen hatte, wurde der Lastwagen zum Glück ein bisschen abgebremst“, erinnert sie sich. „Wir haben echt 3000 Schutzengel gehabt!“

Wiedereröffnung als Neustart

Ihren Friseursalon hatte Wellmann erst im August vergangenen Jahres gerade neu eröffnet. Nach dem Unfall durfte sie ihren Laden vier Monate lang nicht betreten. Erst am Montag, also seitdem das Gerüst vor dem Gebäude weg ist, konnte sie zum ersten Mal wieder in ihren Salon und arbeitet seither gemeinsam mit ihrem Mann Thomas fleißig daran, alles wieder auf Vordermann zu bringen.

Die äußere Mauer steht wieder, ein neues Schaufenster wurde eingebaut. Wellmann wartet jetzt nur noch auf grünes Licht von der Versicherung, damit die Malerarbeiten begonnen werden können. Viel von der alten Einrichtung wurde allerdings beschädigt – das Einzige, was blieb, waren der Waschplatz und die Couch. Aber auch dort, wie auch noch vereinzelt an der Gebäudefassade, sind noch schwarze Spuren von dem Unfall zu sehen. Doch nicht nur deshalb ist eine neue Inneneinrichtung geplant: „Ich möchte so wenig Erinnerung wie möglich an das alte Studio“, sagt Wellmann. Für sie soll das ein Neustart sein.

Unterstützung durch Freundin

Ihre Freundin Tatjana Urasbayer, die nebenan ein Kosmetikstudio eröffnen will, unterstützt sie. „Ob ich alleine wieder geöffnet hätte, weiß ich nicht“, betont Wellmann. Urasbayer hatte gerade erst Ende Mai den Vertrag für die Geschäftsräume neben Wellmanns Salon unterschrieben – zwei Tage später raste aber dann der Lastwagen in das Gebäude.

„Jeder ruft an und fragt, wann ich wieder öffne. Das tut mir schon weh“, erzählt die Friseuse. Wenn alles gut läuft, will Wellmann am 28. Oktober zeitgleich mit Urasbayers Studio „Timeless Beauty“ und einer kleinen Feier ihren Neustart wagen.