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Titel „Safe Community“ Unfallverhütung vorbildlich umgesetzt in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 27.09.2019, 20:20 Uhr

Delmenhorst darf sich eine „Safe Community“ nennen – als einzige Stadt in Deutschland. Der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verliehene Titel zeichnet eine sichere Stadt hinsichtlich Unfall- und Verletzungsprävention aus. Wie kam es zu der Auszeichnung? Das beschreibt die Stadt in einer Mitteilung.

Den Angaben zufolge reiche die Entstehungsgeschichte der Delmenhorster „Safe Community“ bis in das Jahr 1998 zurück. „Der damalige Chefarzt der städtischen Kinderklinik, Dr. Johann Böhmann, gründete seinerzeit den Verein ,Gesundheit im Kindesalter’ (GiK) mit dem Ziel, Netzwerke für mehr aktive und passive Sicherheit von Kindern in Kindertagesstätte und Schule zu bilden.“ Aus diesem Verein wiederum sei der „Runde Tisch für Unfallprävention im Kindesalter“ mit rund 20 bis 30 Institutionen initiiert worden.

Denn die damaligen Unfallstatistiken waren alarmierend, schreibt die Stadt. „Jedes Jahr erleiden 15 von 100 Kindern in Deutschland mindestens eine behandlungsbedürftige Verletzung. Ab dem Alter von einem Lebensjahr sind Verletzungen laut einer wissenschaftlichen Studie von Dr. Böhmann die häufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen.“

Unfallhäufung im häuslichen Bereich

Vor diesem Hintergrund entstand ein Netzwerk zur Bündelung, Koordinierung und Entwicklung der Gesundheitsförderung. Der Runde Tisch sollte die Unfallprävention und Gesundheitsförderung innerhalb von kommunalen Behörden und Institutionen etablieren und aufeinander abstimmen. Anfangs galt ein Arbeitsschwerpunkt der Sicherheit auf öffentlichen Spielplätzen. Eine Analyse von Unfalldaten ergab jedoch, dass aber eher im häuslichen Bereich eine Unfallhäufung festzustellen war. Der Runde Tisch verlagerte daraufhin seine Schwerpunkte auf die Bewegungsförderung. Unter anderem mit dem Projekt „Kinderwelt ist Bewegungswelt“ für Kinder, denen Schulsport und Leistungssport „wenig Entfaltungsmöglichkeiten bieten“, wie es die Stadt ausdrückt.

2006 beschloss der Runde Tisch mit Unterstützung des Rates der Stadt, sich um die Aufnahme in das bei der WHO angesiedelte internationale Netzwerk „Safe Community“ zu bewerben – was eine Neuausrichtung des lokalen Netzwerkes bedeutete.

Strenge Kriterien der WHO

„Die WHO-Kriterien für die Anerkennung waren und sind sehr hoch. So ist zum Beispiel eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe nötig, die Verantwortung für die Unfallprävention in der Kommune übernimmt“, heißt es in der Mitteilung. Sämtliche kommunale Ebenen müssen bei der Lösung der Unfallproblematik einbezogen werden. Die Entwicklung besonders langfristig angelegter, nachhaltig wirkender Präventionsprogramme steht im Vordergrund. Sie sollen besonders auf Hochrisiko-Gruppen, wie Kleinstkinder, Menschen mit Migrationshintergrund und Seniorinnen und Senioren, beziehen.

Trotz dieser hohen Hürden erfüllte der Runde Tisch für Unfallprävention die Voraussetzungen. 2011 verlieh das schwedische Karolinska Institutet der Stadt Delmenhorst die Plakette „Safe Community“ für fünf Jahre. 2017 bewarb sich die Stadt erneut erfolgreich.

Heute ist der Runde Tisch in den Kommunalen Präventionsrat (KPR) der Stadt eingegliedert. fred