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Unterrichtsversorgung Delmenhorst für Lehrer wenig attraktiv

Von Frederik Grabbe | 19.03.2017, 11:26 Uhr

Die Schulen in Delmenhorst haben mit einer unterdurchschnittlichen Unterrichtsversorgung zu kämpfen. Gehen der Stadt die Lehrer aus?

Die Unterrichtsversorgung für Delmenhorst lag im Jahr 2016 bei 96,8 Prozent. Dies geht aus einer Antwort des Niedersächsischen Kultusministeriums auf eine dk-Anfrage hervor. Damit liegt der Wert unter dem des Bundeslandes (98,9 Prozent) und dem des Landkreises Oldenburg (99,4 Prozent).

Detailliertere Angaben zu der Unterrichtsversorgung an Delmenhorster Schulen sind inzwischen auch vorhanden und in einer 432-seitigen Antwort auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion abrufbar. Aus ihr geht hervor, dass unter den Grundschulen die Unterrichtsversorgung bei der Marienschule (87,5 Prozent), der Knister-Grundschule (91,1) und der Astrid-Lindgren-Grundschule (93,3) am niedrigsten ist. Von den weiterführenden Schulen weisen die Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule (89,4), die Oberschule Süd (90,3) und die Hauptschule Delmenhorst (87,7) die niedrigsten Werte auf. Die Grundschule an der Beethovenstraße hat stadtweit den höchsten Wert (104,4), bei den weiterführenden Schulen ist die IGS Delmenhorst am besten.

Oberschule kämpft mit Lehrermangel

Ulrike Schwengsbier, Leiterin der Knister-Grundschule, hat eine Erklärung für die unterdurchschnittliche Unterrichtsversorgung an ihrer Schule: Zwei Lehrkräfte seien im Mutterschutz gewesen und später wieder zurückgekehrt. „Aktuell haben wir eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent“, sagt Schwengsbier. „Unser Bedarf an Lehrern ist komplett gedeckt.“ Weniger entspannt gestaltet sich die Lage an der Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule. Die Schule hat mit Lehrermangel zu kämpfen, konnte im letzten Jahr offene Stellen nicht besetzen. Konrektor Philipp Lindel blickt mit Sorge auf diese Entwicklung. Wegen der hohen Pensionierungswelle hätten angehende Lehrkräfte derzeit gute Chancen, in ihrer Wunschstadt zu arbeiten. Doch nur wenige entschieden sich für Delmenhorst. „Die Stadt ist für viele Lehrer unattraktiv, sie stellt Pädagogen vor große Herausforderungen.“ Die Oberschule habe versucht, den Lehrermangel mit Feuerwehr-Lehrkräften auszugleichen. „Sie decken Zeiträume ab, ersetzen aber keine vollwertigen Lehrkräfte“, betont Lindel.

Hinzu kommt: Die Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule ist eine Ganztagsschule mit Inklusionsauftrag. Wegen der Personalnot steige die Belastung für die Lehrer. „Und Mehrbelastung bedeutet wiederum höhere Krankenstände“, erklärt der Konrektor. Außerdem verzeichnen die Sprachlernklassen für Kinder mit Fluchtgeschichte einen hohen Zulauf. Wenn diese voll sind, werden die Kinder in Regelklassen unterrichtet. Das trage nicht zur Entspannung der Situation bei, berichtet Linde. Gerade erst konnte die Oberschule vier freie Stellen besetzen. Dennoch: „Es besteht weiterhin großer Bedarf.“

 Eine Auflistung für alle Schulen in Delmenhorst ist unten zu sehen. 

Die Angaben zur Unterrichtsversorgung haben laut Tanja Meister, Sprecherin des Kultusministeriums, eines gemein: Alles sind zum Stichtag 18. August 2016 erhoben worden. „Sie geben daher auch lediglich Auskunft über die Unterrichtsversorgung zu besagtem Stichtag, nicht aber zum Beispiel über die gegenwärtige Situation an den Schulen“, betont Meister. Interessant ist in diesem Zusammenhang: Die hiesige FDP hatte im Oktober 2016 Mitteilungen verschickt, wonach die Unterrichtsversorgung an der Grundschule am Grünen Kamp bei 65 Prozent liegt. Ihre Angaben basierten aber auf Prognosedaten für Personalplanungswerte (BPP-Wert) – und nicht auf der tatsächlichen Unterrichtsversorgung. Den Angaben des Ministeriums nach liegt der Wert für die Schule nun bei 100,4 Prozent – also 35 Prozent höher als von der FDP angenommen.

 (Weiterlesen: Wie gut sind Niedersachsens Schulen mit Lehrern ausgestattet?)