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Unterstützung der Pädiatrie Delmenhorster SPD fordert Kindernotdienst

Von Yannick Richter | 28.01.2016, 19:46 Uhr

Seit Beginn des Jahres gibt es in der Stadt nur noch einen ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die SPD kritisiert diese Entscheidung und fordert die Wiedereinführung eines separaten Kindernotdienstes.

Die Zusammenlegung der ärztlichen Bereitschaftsdienste für Kinder und Erwachsene durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) stößt der SPD-Stadtratsfraktion übel auf. „Es gilt, die Kinderklinik und die niedergelassenen Pädiater in ihrem Wunsch nach einer kinderärztlichen Bereitschaftspraxis zu unterstützen“, erklärt die Fraktionsvorsitzende Andrea Meyer-Garbe.

Eine gute ärztliche Versorgung durch den zusammengelegten Notdienst möchte die Politikerin dabei gar nicht in Frage stellen, „aber ist es nicht hilfreicher, einen Pädiater auf ein erkranktes Kind schauen zu lassen, einen Pädiater, der nicht überlegen muss, welche Medikation kindgerecht ist, einen Pädiater, welcher täglich mit all diesen ‚Kinderkrankheiten‘ umgeht?“, fragt die Politikerin kritisch.

Weiter teilt Meyer-Garbe mit, dass der Verlust des Kindernotdienstes für ein kinder- und familienfreundliches Delmenhorst nicht hinnehmbar sei. Deshalb müsse der separate Kindernotdienst wieder eingeführt werden. (Weiterlesen: Kritik am ärztlichen Notdienst in Delmenhorst)

KVN stützt sich auf Richtlinie

Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Oldenburg, kann den Unmut zwar verstehen, betont aber, sich an den landesweit geltenden Richtlinien zu orientieren. Diese besagen, dass kein Arzt mehr als vier Bereitschaftsdienste in drei Monaten leisten dürfe. Da es in Delmenhorst von der Personenzahl her zu wenige Kinderärzte gebe, können diese Vorgaben nicht eingehalten werden.

„Nichtsdestotrotz bemühen wir uns natürlich, eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten und für eine hohe Qualität zu sorgen. Wir sind auch in Gesprächen mit der Kinderklinik. Durch die Hintergrundunterstützung der Experten erhoffen wir uns, dass die Kompetenzen erhöht werden“, verrät Scherbeitz weiter. (Weiterlesen: Kein Ansturm auf Facharzttermine in Niedersachsen)

Kostensenkung zu Lasten der Patienten

Die SPD-Politikerin Meyer-Garbe schenkt den Äußerungen allerdings nur wenig Glauben. Sie unterstellt der KVN, zulasten der Kinderklinik und der erkrankten Kinder und deren Eltern Kosten senken zu wollen. Außerdem klagt sie an, dass es durch die Zusammenlegung der Notdienste zu höheren Fallzahlen und dementsprechend längeren Wartezeiten käme, was für die Patienten wiederum eine zusätzliche Belastung darstelle. (Weiterlesen: Zügige Facharzttermine für Delmenhorster Patienten)

Wunsch nach speziellem Notdienst

Der Chefarzt der Kinderklinik im Josef-Hospital, Johann Böhmann, zeigt sich ebenfalls diplomatisch: „Es steht außer Frage, dass die Stadt Delmenhorst mit dem derzeitigen Zustand nicht zufrieden sein kann. Ich hätte es auch gerne anders. Deshalb müssen wir gemeinsam mit der KVN eine Regelung finden.“ Obwohl er bisher keinen drastischen Zuwachs an Patienten feststellen könne, hofft Böhmann darauf, dass sich die Wogen möglichst schnell glätten, und wieder ein eigener Kindernotdienst eingeführt werde. „Nur ein spezieller Notdienst kann strukturiert und patientengerecht arbeiten“, stellt der Kinderarzt klar. (Weiterlesen: Delmenhorster Kliniken jetzt auch optisch eine Einheit)