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Unterversorgung an Regelschulen GEW sieht Inklusion in Delmenhorst gefährdet

Von Marco Julius | 22.01.2016, 17:58 Uhr

Die Gewerkschaft spricht von einem Ausfall von rund 50 Prozent der Förderstunden. Die Chancengleichheit sei gefährdet.

Mit deutlichen Worten meldet sich der hiesige Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in der Debatte um fehlende Förderstunden beim Thema Inklusion in der Sekundarstufe I (Sek I) zu Wort. „Wer das Projekt Inklusion in Schulen zum Scheitern bringen wollte, müsste dabei genauso vorgehen, wie es zurzeit in Delmenhorst geschieht“, teilt Peter Pielok für die GEW mit. Die GEW begrüße, dass die „skandalöse Unterversorgung der Schüler in der Inklusion an den Sekundarschulen in Delmenhorst durch die Berichterstattung des dk endlich an die Öffentlichkeit gerät“.

Dabei legt die Gewerkschaft nach: „Die tatsächliche Situation stellt sich noch viel drastischer dar.“ Rund 50 Prozent der Förderstunden für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden in der Sek I nicht geleistet, so Pielok. „Nach GEW-Informationen werden beispielsweise an der Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule in den 5. und 6. Klassen 16 Kinder inklusiv (Förderschwerpunkte Sprache, Lernen und ESE) beschult, denen je nach Schwerpunkt 3 oder 3,5 Lehrerstunden pro Schüler zustehen, insgesamt sind dies 50 Stunden. Davon werden aber nur 25 Stunden erteilt, zwölf durch Förderschul- und zehn durch Klassenlehrer.“ Dies sei an den anderen Schulen nicht anders.

Chancengleichheit eingeschränkt

Aus Sicht der GEW bewahrheite sich die Befürchtung, dass die in der öffentlichen Diskussion oft als hehres Ziel verkaufte Einführung der Inklusion wenn möglich auch dazu genutzt werde, klammheimlich Kosten einzusparen. Allein in Delmenhorst handele es sich um mehrere Planstellen.

„Maßgeblich betroffen sind natürlich die Förderschüler, deren Anspruch auf Chancengleichheit wegen fehlender Unterstützung erheblich eingeschränkt wird. Hier kann die gesamte Lebensplanung beeinträchtigt sein, wenn mögliche Schulabschlüsse nicht erreicht werden. Betroffen sind aber natürlich auch die Lehrkräfte, denen die benötigte Unterstützung gerade in dieser Phase des Umbruchs fehlt“, betont die GEW.

Zur Erinnerung: Die Landesschulbehörde hatte auf Anfrage mitgeteilt, die Schulen seien ausreichend mit Stunden zur inklusiven Beschulung versorgt. Schulleiter hatten allerdings eingeräumt, dass in der Praxis nicht alle Stunden geleistet werden könnten.

Kommunikation gefragt

Auch Utz Müller, Förderschulrektor der Mosaikschule, hat sich nach dem dk-Artikel zu Wort gemeldet. „Tatsache ist, dass in der Zeit eines Systemwechsels hin zur Inklusiven Schule die sonderpädagogische Versorgung im Bereich der Sek I nicht ausreichend ist. Hierfür stehen auch den zuständigen Förderzentren nicht ausreichend Lehrerstunden zur Verfügung, die an die Schulen weitergeleitet werden könnten.“ Müller mahnt mehr Kommunikation an. Die inklusive Ausrichtung der Schulen müsse von allen an einer Schule tätigen Professionellen gemeinsam geplant und vollzogen werden. „Schon jetzt fordert die veränderte Rechtslage den bereits bestehenden Kollegien aller Schulformen ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit, Veränderungswillen und Kooperationsbereitschaft ab. Der Startschuss zum System- und Paradigmenwechsel ist längst gefallen“, so Müller.