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Urteil am Amtsgericht Delmenhorster Paar bestellt Waren unter falschem Namen

Von Marco Julius | 01.03.2017, 17:16 Uhr

Das Urteil liest sich nüchtern, die Geschichte dahinter zeugt von den Schwierigkeiten zweier junger Menschen, sich im Leben zurechtzufinden.

Das Amtsgericht hat am Mittwoch einen noch 34-jährigen Mann und seine 29 Jahre alte Freundin wegen des gemeinschaftlich begangenen gewerbsmäßigen Betruges verurteilt. Der Mann, einschlägig vorbestraft und derzeit eine Haftstrafe in Meppen absitzend, muss für weitere 21 Monate hinter Gitter, seine Freundin, wohnhaft in Delmenhorst, kommt mit einer neunmonatigen Bewährungsstrafe und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon.

Falsche Namen, falsche Bankdaten

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden in zehn Fällen unter falschen Namen und mit falschen Bankverbindungen, darunter unter anderem die Kontonummer der Bürgerstiftung Ganderkesee, Artikel bestellt haben, die sie sich aus Geldmangel eher nicht leisten konnten. Zwei Heimkino-Anlagen, Schränke, Jeans, Unterwäsche, Handtücher, ein Fleurop-Gruß und Ähnliches, vor allem ein Versandhaus war betroffen. Es ging nie um die ganz großen Summen: Bis auf eine Heimkino-Anlage, die der Angeklagte über Ebay verkauft hat, hat das Paar alle Waren wohl selbst genutzt.

Taten zum Teil eingeräumt

In der Verhandlung räumten die beiden ein, jeweils einen Teil der Taten begangen zu haben, aber ohne dass es der jeweils andere wusste. Dieser Sichtweise konnte das Gericht nicht folgen, unter anderem auch deshalb, weil an der gemeinsamen Wohnung in Delmenhorst gleich mehrere falsche Namensschilder angebracht waren, von denen beide Kenntnis hatten. Die Polizei hatte diese Schilder sogar mehrfach entfernt, nur um dann am nächsten Tag festzustellen, dass anschließend neue Schilder dort angebracht waren.

Mehrere Haftstrafen

Das Gericht blieb am Ende unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, aber verhängte härtere Strafen als von der Verteidigung für angemessen erörtert.

Während der 34-Jährige bereits mehrere Haftstrafen abgesessen hat, war seine Partnerin bislang lediglich aufgrund von Erschleichungen von Leistungen zu geringen Geldstrafen verurteilt worden, sodass das Gericht für sie eine günstige Sozialprognose annimmt.

Schwierige Biografie

Bislang jedenfalls hat es das Leben mit den beiden Angeklagten nicht besonders gut gemeint. Er war als kleines Kind viele Jahre im Heim, die Familienverhältnisse sind kompliziert. Eine Ausbildung hat er nach der Realschule kurz vor Schluss abgebrochen, später war er auch zeitweise einem Betreuer unterstellt. Er geriet auf die schiefe Bahn, häufte Schulden an, auch, weil – so attestiert es ein Gutachter – er eine intellektuelle Minderbegabung hat. Sie kam mit 13 ins Heim, blieb dort bis zur Volljährigkeit, lebte später auch im Frauenhaus. Auch bei ihr läuft ein Insolvenzverfahren. Sie beginnt bald einen Mini-Job als Reinigungskraft. Sobald ihr Partner seine Strafe abgesessen hat, wollen sie wieder zusammenziehen.