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Urteil am Donnerstag erwartet Delmenhorster Dealer muss mit Haftstrafe rechnen

Von Ole Rosenbohm | 31.10.2017, 14:26 Uhr

Ein 33-jähriger Delmenhorster hat über drei Jahre Amphetamine und andere Drogen verkauft, bewahrte zudem illegale Waffen bei sich auf. Ermittlungen gegen ihn und Hausdurchsuchungen hielten ihn nicht von seinem Tun ab – er brauchte das Geld aus dem Drogenverkauf, um Schulden und den eigenen Konsum zu bezahlen. Im Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Oldenburg soll am Donnerstag das Urteil gesprochen werden.

Am Montag forderte die Staatsanwältin in ihrem Schlussplädoyer für den zweifachen Vater eine Haftstrafe von sechs Jahren und acht Monaten. Der Verteidiger wird am Donnerstag seinen abschließenden Vortrag halten. Danach will Richterin Judith Blohm ihr Urteil sprechen. Der Mann hatte mindestens drei Jahre lang mit Drogen gehandelt, mit Amphetaminen, Ecstasy, Kokain, LSD, Cannabis. Dreimal durchsuchte die Polizei seine Wohnung, fand jedes Mal mehr und – was den Strafrahmen stark erhöht – auch illegale Waffen: erst einen Schlagring, danach Einhandmesser, Elektroschocker und einen weiteren Schlagring – aufbewahrt wie Ausstellungsstücke in einer Glasvitrine im Wohnzimmer.

Sachverständige stellt psychiatrisches Gutachten vor

Am zweiten Prozesstag stand der Werdegang des Angeklagten im Mittelpunkt. Die psychiatrische Sachverständige vermittelte dabei das Bild eines unsicheren, emotional instabilen Menschen. Nach einer Kindheit mit einer schlagenden Mutter und massiven Schulproblemen hatte er sich eigentlich schon durch viele Schwierigkeiten manövriert, eine Ausbildung abgeschlossen, über ein Jahrzehnt fest und zuverlässig gearbeitet. Doch Drogen gehörten auch zum Leben: zunächst nur auf tage- und nächtelang durchtanzten Partys, später täglich. Die Arbeit litt, es folgten erste Kündigungen, schlechte Folgejobs, Schulden. 2014 schmiss er selbst hin, verkaufte offenbar von nun an Drogen. An dieser Stelle war er längst in einem Teufelskreis gefangen. Den Stoff bekam er auf Kredit. Bis zu ein Drittel verbrauchte der Mann, inzwischen stark abhängig, selber, den Rest kauften Kleinkunden bei ihm im Wohnzimmer. Die Schulden bei seinen Dealern aber wurden nicht kleiner – vor allem nicht, wenn die Polizei den ganzen Vorrat mitnahm.

Waffen könnten Strafmaß deutlich erhöhen

Der Prozess ist trotz der Durchsuchungen und einer Anklage von 2014 sein erster überhaupt. Der Mann gab ein volles Geständnis ab, auch die Richterin bekannte, er würde offen und ehrlich Rede und Antwort stehen. Seine zu erwartende Strafe von über sechseinhalb Jahren für fünf zu verhandelnde Fälle (die kleineren wurden wegen verhältnismäßiger Nichtigkeit eingestellt) ist dennoch erheblich. Vor allem die Funde aus der letzten Hausdurchsuchung schlugen bei der Forderung der Staatsanwaltschaft zu Buche. Und die Waffen in der Glasvitrine gelten auch unbenutzt als Gefährdungspotenzial. Der Strafrahmen für bewaffneten Drogenhandel liegt bei fünf bis 15 Jahren.

Sachverständige und Staatsanwältin sehen Therapiechance

Wie die psychiatrische Sachverständige sprach sich allerdings auch die Staatsanwältin für die Einweisung in eine Entzugsklinik aus. Alle Prozessbeteiligten sehen beim Angeklagten gute Chancen für eine erfolgreiche Therapie, nach der er viel früher freikommen könnte. Er selber will sie auch, sagt er.