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Urteil am Landgericht Oldenburg Blinder Zeuge aus Delmenhorst überführt Täter

Von Alexander Schnackenburg | 19.01.2016, 17:52 Uhr

Schuldspruch vor dem Landgericht Oldenburg: Wegen eines Überfalls auf ein blindes Opfer aus Delmenhorst müssen zwei Männer für dreieinhalb Jahre hinter Gitter.

Ausgerechnet ein blinder Zeuge konnte die Täter identifizieren: anhand ihrer Stimmen, ihrer Umrisse sowie ihres Verhaltens vor und nach der Tat. Der Zeuge hatte die beiden Männer für seine Freunde gehalten, ehe sie ihn im November 2012 eines frühen Morgens in seiner Delmenhorster Wohnung „besuchten“, schlugen, ihm mit einem Messer in die Schulter stachen und ihn schließlich beraubten: um eine leere Geldkassette. An diesem Ablauf hegt das Landgericht Oldenburg keine Zweifel und hat die beiden Angeklagten, einen 40-jährigen landwirtschaftlichen Hilfsarbeiter und einen 29-jährigen Bauarbeiter aus dem Landkreis Diepholz, daher am Dienstag nach dreimonatigem Prozess wegen schweren Raubs in Tateinhergang mit gefährlicher Körperverletzung zu je dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Telefonüberwachung hilft

Zum Verhängnis wurde den Räubern vor dem Landgericht unter anderem der polizeiliche Mitschnitt eines Telefongesprächs: Einer der Angeklagten hatte sich mitten in der Nacht vom Telefon des anderen Angeklagten aus beim gemeinsamen blinden „Freund“ erkundigt, ob dieser auch wirklich allein zu Hause sei. Wenig später ereignete sich der Überfall. Die Polizei zapfte damals das Telefon des blinden und doch nicht vollständig sehuntüchtigen 36-jährigen Delmenhorsters an, weil sie diesen des Drogenhandels verdächtigte. Dass der Mitschnitt später Beweisstück in einem Raub an der Zielperson werden sollte, ahnte damals wohl niemand.

Zahlreiche weitere Indizien, etwa der Fund einer Messerscheide voller DNA-Spuren der Angeklagten im Hausflur des Geschädigten, sowie die Aussagen von Nachbarn bestätigten die Version des Überfallopfers im Wesentlichen. Das Gericht zeigte sich daher auch unbeeindruckt von einer Prozesserklärung der Verteidigung, die den Hauptzeugen der Falschaussage beschuldigt hatte.

Richter erkennt minderschweren Fall

Hatten Staatsanwaltschaft und Nebenklage eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren für die Angeklagten gefordert, so hielt Richter Horst Kießler den Tätern in der Urteilsbegründung der Kammer zugute, dass sie nicht vorbestraft und auch nach der Tat im November 2012 nicht auffällig geworden seien. Außerdem lebten sie in einem „sozial gefestigtem Umfeld“. Dies rechtfertige es, von einem „minder schweren Fall“ zu sprechen – und es bei einer Freiheitsstrafe von je dreieinhalb Jahren zu belassen.