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Urteil am Montag erwartet Gutachten entscheidet Missbrauchsprozess gegen Delmenhorster

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 21.10.2016, 17:20 Uhr

Im Missbrauchsprozess gegen einen 28-jährigen Delmenhorster bahnt sich das Urteil an. Entscheidend könnte dabei das Gutachten eines Psychiaters sein.

Am Ende des Prozesses gegen den Delmenhorster wegen sexuellen Missbrauchs einer Widerstandsunfähigen vor dem Landgericht Oldenburg könnte dem Gutachten mehr Bedeutung zufallen als den meisten Zeugenaussagen. Der Psychiaters soll neben der Steuerungsfähigkeit der Geschädigten auch jene des Angeklagten zum Tatzeitpunkt einschätzen.

Angeklagter will sich nicht erinnern können

Während sich der Angeklagte gar nicht an den Geschlechtsakt erinnern kann oder will, hat die Nebenklägerin und Geschädigte bereits zu Beginn des Prozesses geschildert, wie er sie in jener September-Nacht des vorigen Jahres gegen ihren Willen penetriert habe. Ein DNA-Gutachten belegt zumindest, dass es tatsächlich zum Geschlechtsverkehr zwischen den beiden gekommen ist.

Zeugin stützt Aussage der Geschädigten

Auch stützt seit gestern die Aussage einer 17-jährigen Zeugin die Version der 19-jährigen Geschädigten. Die Zeugin will im Halbschlaf und aus dem zum Tatort angrenzenden Zimmer heraus gehört haben, wie es nebenan zu sexuellen Handlungen zwischen Geschädigter und Angeklagtem gekommen sei und wie die Geschädigte „Lass das!“ oder „Hör auf!“ gesagt habe. Auch, so die Zeugin, habe sie den anschließenden Morgen mit ihrer Freundin verbracht, welche sehr verstört gewesen sei, ihr nach und nach aber doch erzählt habe, was passiert sei: dass der Angeklagte gegen ihren Willen in sie eingedrungen sei.

Auch Zeugin schlief mit dem Angeklagten

Kurios an der Aussage der 17-jährigen Zeugin erscheint indes der Umstand, dass sie kurz vor der mutmaßlichen Tat ihrerseits mit dem Angeklagten geschlafen hat – nach eigener Aussage mehrfach und einvernehmlich. Wie die vorsitzende Richterin Judith Blohm bereits durchblicken ließ, glaubt sie nicht, dass ein Mann, der offenbar in derselben Nacht zu mehrfachen sexuellen Handlungen mit zwei Frauen fähig gewesen ist, auf der anderen Seite zu betrunken gewesen sein kann, um sich an den Sex mit der zweiten Frau auch nur zu erinnern. Der Angeklagte wiederum soll hierzu vor der Polizei lapidar gesagt haben: „Sex geht immer.“ Ob das auch der psychiatrische Sachverständige so sieht, erfährt die Kammer am kommenden Montag, 24. Oktober, und wird dann voraussichtlich auch ein Urteil fällen.