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Urteil des Landgerichtes Haftstrafe für Tankstellenräuber von Delmenhorst

Von Marco Julius | 19.01.2016, 13:57 Uhr

Im Gerichtsverfahren rund um den Tankstellenüberfall am Reinersweg in Delmenhorst im Juli 2015 ist am Dienstag am Landgericht Oldenburg das Urteil gesprochen worden.

Die beiden Delmenhorster, beide Mitte 20, sind des schweren Raubs schuldig gesprochen worden. Der Haupttäter, der mit einer ungeladenen Schreckschusswaffe in das Tankstellengebäude gelaufen war , erhält eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und neun Monaten gefordert.

Bewährungsstrafe für den Fahrer

Sein damaliger bester Freund, der im Wagen geblieben war und bei der missglückten Flucht geholfen hatte, erhält eine zweijährige Haftstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Zudem muss er in Raten eine Geldauflage von 1000 Euro zahlen. Auch in diesem Fall hatte die Staatsanwaltschaft auf eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten plädiert.

Tat gemeinsam geplant

In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende Richter aus, dass die beiden Delmenhorster den Überfall gemeinsam geplant hatten, wenn auch nicht sonderlich durchdacht. Der Mann, der das Auto fuhr, sei wohl nur im Auto geblieben, weil ihn kurz vor der Tat der Mut verlassen und er kalte Füße bekommen habe.

Der Fahrer sei des schweren Raubes in einem minderschweren Fall schuldig, so der Richter. Für ihn spräche, dass er nicht mit in die Tankstelle gegangen ist, dass er ohne Vorstrafen sei und dass die Tat für ihn, der einen festen Job habe, „persönlichkeitsfremd“ sei. Das Gericht wolle ihm daher keinen Knick in den Lebensweg machen.

Kein Drogenproblem

Diese Argumente konnte das Gericht beim Haupttäter nicht ausmachen. Er sei in den Jahren 2006 bis 2012 immer wieder straffällig geworden. Diebstahl, Körperverletzung, Nötigung – sechs Einträge listete der Richter auf. Dass der Mann unter dem Einfluss von Drogen – Kokain und Cannabis – stand, ändere nichts an der Schuldfähigkeit. Der Mann habe damals zwar erhebliche Geldsorgen gehabt, seinen Führerschein verloren, Stress mit der Familie gehabt, sei arbeitslos gewesen, ein ernstes Drogenproblem habe er aber nicht gehabt, sagte der Richter mit Verweis auf den Sachverständigen.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Der Delmenhorster, der nach einer bereits verbüßten Jugendstrafe nun wohl wieder ins Gefängnis wandert, hatte bis zuletzt um eine zweite Chance gebeten. Am Dienstag hatte er noch einen Vorvertrag für eine Anstellung vorgelegt, um zu belegen, dass er neue Wege beschreiten wolle.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft können den Weg der Revision beschreiten.