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Urteil gegen Ex-Krankenpfleger Delmenhorster Todespfleger muss lebenslang hinter Gitter

26.02.2015, 15:04 Uhr

Ex-Krankenpfleger Niels H. muss wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung lebenslang hinter Gitter. Dieses Urteil hat Richter Sebastian Bührmann am Donnerstag im Landgericht Oldenburg gesprochen. Von Thomas Deeken und Eyke Swarovsky

Der Richter schloss sich mit dem Urteil der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage an. Dabei ging es außerdem darum, die „besondere Schwere der Schuld“ anzuerkennen. Das heißt: Auch bei bester Führung und Sozialprognose ist eine Aussetzung der Strafe nach 15 Jahren ausgeschlossen. Dem Verurteilten bleibt dann nur die Möglichkeit, nach Ablehnung alle zwei Jahre einen neuen Antrag auf Aussetzung der Reststrafe zu stellen. Zusätzlich sprach das Gericht dem Angeklagten ein lebenslanges Berufsverbot aus.

Lebenslang kann wirklich lebenslang bedeuten

In seiner Urteilsbegründung sprach der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann davon, dass diese lebenslange Strafe für Niels H. aufgrund der besonderen Schwere der Schuld wirklich „ein Leben lang bedeuten kann“.

Weiter führte Bührmann aus, dass jede Tat einzeln gewertet wurde. Hinter der lebenslangen Freiheitsstrafe stecken demnach vier lebenslange Freiheitsstrafen für die zwei Morde und zwei Mordversuche sowie neun Jahre Freiheitsstrafe für die gefährliche Körperverletzung.

Verteidigung plädierte auf Totschlag

Am Morgen hielt zunächst Ulrike Baumann, die Verteidigerin des Angeklagten, ihr Plädoyer. Sie sagte, dass sie bei den Taten von Niels H. keinen Mord sehe, sondern zweifachen vollendeten Totschlag sowie dreifache schwere Körperverletzung. Sie forderte deshalb eine zeitige Freiheitsstrafe. Außerdem sollten die Verfahrensverzögerungen beim Strafmaß berücksichtigt werden.

Sprecher der Nebenkläger bei Lanz im ZDF

Der Prozess gegen den Ex-Krankenpfleger wird am Donnerstagabend auch Thema bei Markus Lanz im Zweiten Deutschen Fernsehen sein (zum Livestream) . Zu Gast ist unter anderem Christian Marbach, Sprecher der Nebenkläger. Der Ganderkeseer Ratsherr, dessen Großvater im Klinikum Delmenhorst ums Leben kam, berichtet aus der Sicht der Angehörigen über den Prozess gegen den 38-jährigen Angeklagten. Die Sendung, die am Nachmittag in Hamburg aufgezeichnet wird, beginnt um 23.15 Uhr.

Nach der Urteilsbegründung sagte Marbach gegenüber unserer Zeitung, dass er mit dem Urteil sehr zufrieden sei. „Das Gericht ist beim Strafmaß unseren Wünschen nachgekommen.“ Er sei froh, dennoch sei das Urteil erst ein Zwischenabschluss auf dem Weg zur vollständigen Aufklärung der Mordserie. Marbach hoffe, dass „dieser Mensch das Licht der Freiheit nicht wieder sieht“.

Marbach werde bei Lanz nicht nur das Urteil kommentieren. Er wolle auch darauf hinweisen, gegen welche Widerstände die Angehörigen der Mordopfer gekämpft haben und wie die Leitung des Klinikums Delmenhorst sowie die Oldenburger Staatsanwaltschaft mit ihnen umgegangen ist.

Auch Kathrin Lohmann, die als Angehörige eines Mordopfers die weiteren Ermittlungen gegen Niels H. angestoßen hatte, hat sich nach dem Urteil geäußert: „Es beruhigt mich, dass dieser Mensch auf eine bestimmte Zeit aus der Gesellschaft ausgeschlossen ist.“ Sie habe jetzt endlich die Gewissheit, dass der Mörder ihrer Mutter bestraft wird.

Weitere Verfahren nach Geständnis

Niels H. hatte im Laufe des Prozesses rund 90 Taten mit mindestens 25 Todesopfern in Delmenhorst gestanden . Angeklagt war er jedoch nur für drei Morde und zwei Mordversuche. Er konnte also in diesem Prozess nicht für all seine gestandenen Taten verurteilt werden. Richter Bührmann kündigte dem Angeklagten bereits an einem der vergangenen Prozesstage an: „Ich gehe davon aus, dass wir uns in weiteren Verfahren sehen werden.“

Richter entschuldigt sich bei Angehörigen

Während seiner Urteilsbegründung wandte sich Richter Bührmann auch noch einmal an die Angehörigen der Opfer. Er entschuldigte sich in aller Deutlichkeit bei den Angehörigen wegen der Pannen und großen Verzögerungen bei den Ermittlungen. Diese Verzögerungen seien nicht bösartig, aber fehlerhaft gewesen. Christian Marbach sagte gegenüber unserer Zeitung, die Entschuldigung habe den Angehörigen gutgetan.

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