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Urteil im Prozess erwartet Einbrüche in Delmenhorst: Diebe erwartet Gefängnisstrafe

Von Ole Rosenbohm | 10.04.2017, 16:51 Uhr

35 Verhandlungstage waren angesetzt, das Oldenburger Landgericht braucht nur elf: Schon am Dienstag und nicht wie geplant im August will Richterin Judith Blohm im Verfahren gegen sechs, wegen schwerem Bandendiebstahl angeklagte Männer ihr Urteil sprechen.

Die Männer waren von Januar bis Sommer 2016 in wechselnden Besetzungen in Tankstellen, Kioske oder Supermärkte meist im Delmenhorster und Bremer Raum eingebrochen, vor allem um Zigarettenvorräte mitgehen zu lassen. Wenn sie nicht gestört wurden und schnell wieder flohen, lud die Bande Zigarettenstangen mal im Wert von mehreren hundert Euro, mal im Wert von über 20.000 Euro in mitgebrachte Müllsäcke oder Bettbezüge. Ihr Hehler zahlte rund die Hälfte des Verkaufspreises, kam im Prozess raus.

Schäden durch Einbruch höher als Wert der Beute

35 Einbrüche wurden der Bande insgesamt angelastet. Weil die Polizei lange die Telefonate mithörte, Peilsender an den Wagen anbrachte, wussten die Ermittler offenbar zu jeder Tat genau, wer von der Bande mit einstieg oder Schmiere stand. (Weiterlesen: Delmenhorst: Polizei observierte Diebesbande monatelang)

Die Schäden an den Gebäuden waren meist höher als der Wert der Beute, etwa wenn die Männer ein Loch in eine Außenwand der Tankstelle schnitten. Der Gesamtschaden dürfte damit weit im sechsstelligen Bereich liegen.

Angeklagte geben Armut als Antrieb für Handeln an

Am liebsten würde er den Schaden „Stück für Stück bezahlen“, sagte ein mit den meisten Taten der Bande in Verbindung gebrachter 28-Jähriger. Die Einbruchsserie sei „der größte Fehler meines Lebens“ gewesen.

Eine Rolle im Prozess – nicht nur, weil sich zu Angeklagten, Anwälten, Justiz- und Wachpersonal auch noch sechs Dolmetscher gesellten, insgesamt über 40 Personen – spielte die Herkunft der allesamt aus Rumänien stammenden Angeklagten. Teilweise berichteten sie von bitterer Armut, die sie in ihrer Heimat erfahren mussten, auch von Startschwierigkeiten in Deutschland. Diebstahl sei auch hier ein Armutsdelikt, plädierte einer der Anwälte: „Wenn ein Land wie Deutschland so unglaublich profitiert von Europa und überall hin seine Autos und Kühlschränke verkauft, haben wir uns auch mit Armut zu beschäftigen.“

Urteile zwischen 46 und 52 Monaten

Wie die Urteile ungefähr ausfallen, stand nach zwei langen Rechtsgesprächen zwischen Verteidigung und Gericht und nach den zum Deal gehörenden Geständnissen der Angeklagten früh im Prozess fest: Den Hauptangeklagten etwa könnte eine Haftstrafe zwischen 46 und 52 Monaten erwarten. Die niedrigste Freiheitsstrafe würde sich auf zwei Jahre belaufen. Keiner würde eine Bewährungsstrafe erhalten. In ihren Plädoyers forderten die Anwälte das Gericht auf, leicht unterhalb der Verständigungen zu bleiben.