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Verabschiedung von Klinik-Chef Delmenhorster „Zappelphilipp“ Böhmann bleibt aktiv

Von Kai Hasse | 28.09.2017, 10:26 Uhr

Bei einer Feierstunde hat sich die Stadt Delmenhorst vom bisherigen Chef der Kinderklinik, Dr. Johann Böhmann verabschiedet. Er geht nach 33 Jahren Arbeit in der Klinik in den Ruhestand. Viel kürzer treten wird er nicht.

Bei einer Feierstunde hat sich die Stadt Delmenhorst bei ihrem Kinderarzt Nummer eins verabschiedet: Dr. Johann Böhmann, Chefarzt des Kinderklinikums, ist in den Ruhestand gegangen. Er gibt den Posten ab an seinen Nachfolger Dr. Matthias Viemann. Mit Blick auf sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement rief er: „Sie werden mich nicht los!“

Sein Vorbild waren die Kinder

Bei seinem Abschied im großen Saal des Rathauses vor Mitarbeitern, Mitgliedern der Verwaltung und Wohlfahrtsverbänden stellte Böhmann klar, dass sein Schaffen in vielen Gesundheitsinitiativen unmöglich gewesen wäre ohne sein „Team, das einfach toll ist.“ Dazu, dass er durch seine Engagements viel eingebunden war: „Da war Mut zur Lücke, viel Improvisation. Ohne mein gesundes ADHS – früher sagte man Zappelphilipp-Syndrom – hätte ich das nicht geschafft.“

Er habe immer tolle Vorbilder gehabt – nämlich Kinder, die mit ihrer Energie unermüdlich toben und spielen.

JHD: „Wir haben nicht reagiert“

Ein Wermutstropfen war für ihn die aktuelle defizitäre Situation des Josef-Hospitals. Böhmann dazu selbstkritisch: „Ich fühle mich mitverantwortlich. Wir haben es schon vor fünf Jahren gewusst, dass die Situation so kommt. Wir haben nicht reagiert.“ Dennoch sei es unbestritten, dass das JHD formidable medizinische Arbeit leiste. Das bekräftigte schon Oberbürgermeister Axel Jahnz in seiner Rede zuvor. „Wir stehen uneingeschränkt zu der Leistung, die dort tagtäglich vollbracht wird.“ Böhmann habe das Markenzeichen „Gesundheit kann Spaß machen“ immer wieder geprägt.

Neue Krankheitsbilder im Fokus

Insgesamt 33 Jahre war Böhmann im Kinderklinikum in Delmenhorst. 1984 kam er als Oberarzt. 1992 stieg er zum Chefarzt auf. Zwischen 1998 und 2003 war er außerdem Ärztlicher Direktor des Städtischen Klinikums. Als Chefarzt baute Böhmann die Kinderklinik aus: Auch schwerkranke Kinder sowie Frühgeborene sollten angemessen versorgt werden können. Neue Krankheitsbilder, wie etwa aus der Psychosomatik, wurden in das Behandlungsangebot integriert. Durch Einbindung der Oberärzte mit ihren jeweiligen Spezialisierungen bekam die Kinderklinik ein breites medizinisches Spektrum.

Neu im Programm: Klinikclowns

Neu waren Ansätze wie Schulungen für schwer kranke Kinder oder die Zusammenarbeit mit Klinikclowns oder den „Bremer Engeln“, die dazu beitragen, dass auch schwerstkranke Kinder zu Hause betreut werden können. Zudem gründete Böhmann den Verein „Gesundheit im Kindesalter“ (GiK), aus dem das „Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung“ (DIG) hervorging. Und er sorgte dafür, dass die Stadt sich 2011 als erste deutsche „Safe Community“ nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation zertifizieren ließ. Darüber hinaus organisierte er den seit mittlerweile 13 Jahren ausgetragenen 24-Stunden-Burginsellauf.

Böhmann wird aus dem öffentlichen Leben mit seinem Ruhestand nicht verschwinden. Er will weiter den Verein GiK voranbringen. Nächstes Ziel: Die Aufnahme in das „Gesunde-Städte-Netzwerk“, in dem bisher fast nur Unistädte vertreten sind. Ein weiteres Mal wird er heute noch um 16 Uhr im Josef-Hospital verabschiedet.