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Veranstaltung im Hotel Thomsen Mehr als 100 Bürger informieren sich zu JHD-Neubau

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 26.08.2016, 00:53 Uhr

Verkehr, Parkplätze, Hubschrauberlandeplatz: Viele Fragen zum Neubau des Josef-Hospitals Delmenhorst wurden am Donnerstag bei einer Informationsveranstaltung im Hotel Thomsen beantwortet. Deutliche Worte fand JHD-Geschäftsführer Thomas Breidenbach zur aktuellen Standortdebatte.

„Sie sind auf der Überholspur. 70 Millionen für Delmenhorst sind der absolute Kracher.“ Mit diesen Worten versuchte Helmut Fricke, ehemaliger Geschäftsführer der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, den mehr als 100 Besuchern der Informationsveranstaltung zur Krankenhausfinanzierung im Hotel Thomsen, seine Bewertung der jüngst bewilligten Fördermittel für den Neubau des Josef-Hospitals zu verdeutlichen. Gemeinsam mit JHD-Geschäftsführer Thomas Breidenbach und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Harald Groth informierte er bei der SPD-Veranstaltung über den Neubau, dessen Entstehung und beantwortete zahlreiche Fragen.

Investitionsstau von 1,7 Milliarden Euro in Niedersachsen

Fricke erläutert, in welcher schwierigen finanziellen Lage sich die Krankenhäuser in Niedersachsen befinden: Die Finanzierung der baulichen Investitionen durch das Land und auch des Betriebs durch die Krankenkassen reichten häufig nicht aus, rund zwei Drittel der Krankenhäuser schreiben keine schwarzen Zahlen. Allein der Investitionsstau bei den vom Land getragenen baulichen Investitionen betrage in Niedersachsen rund 1,7 Milliarden Euro. Auch die beiden Delmenhorster Krankenhäuser seien gefährdet gewesen, weshalb das Land eine Fusion gefordert habe.

Krankenhausarchitekten überprüften Machbarkeitsstudien

Deutliche Worte sind laut Thomas Breidenbach, der den Prozess zum Neubau kurz erläuterte, bei den der Fusion vorangegangenen Gesprächen gefallen: „Uns wurde gesagt: Ihr müsst zusammengehen, sonst passiert in Delmenhorst bei den Investitionen gar nichts.“ Er betonte, dass die Machbarkeitsstudie zu den drei möglichen Standorten (Josef-Stift, Klinikum und grüne Wiese) von Krankenhausarchitekten des Landes überprüft wurden. Nachdem ein Architektenbüro mit den Planungen beauftragt wurde, sei monatlich ein Bericht in Hannover abgegeben worden. „Erst als die Oberfinanzdirektion ihren Stempel darauf gesetzt hatte, durfte der Planungsausschuss über die Förderung abstimmen“, erklärte der Geschäftsführer.

Scharfe Worte an Standort-Kritiker

Breidenbach fand deutliche Worte zur aktuellen Standort-Debatte: „Wenn irgendjemand aus dieser Stadt den Bau zum Scheitern bringt, müssen wir uns ganz hinten anstellen. Dann dauert es acht bis neun Jahre, bis wir wieder dran sind“, sagte er mit Blick auf den von Fricke erläuterten Investitionsstau. Bis dahin halte das Krankenhaus nicht durch. Dann richtete er sich direkt an die Kritiker: „Jetzt reicht es! Warum muss alles schlecht geredet werden? Die Diskussion schadet dem Krankenhaus.“

Groth: Noch nie Probleme beim Krankenwagen-Verkehr

In der anschließenden Fragerunde war unter anderem die Verkehrsanbindung ein entscheidendes Thema. Laut Groth hat es bei der Machbarkeitsstudie zum Standort Mitte eine erste Verkehrsuntersuchung gegeben. Diese habe ergeben, dass ein Krankenhaus an dem Standort machbar ist. Eine Feinplanung erfolge im Verkehrskonzept, das aktuell erstellt wird. Befürchtungen, dass Krankenwagen im Verkehr stecken bleiben, zerstreute er: „Es hat an der Westerstraße noch nie die Situation gegeben, dass ein Rettungswagen das Krankenhaus nicht erreicht hat.“ Mögliche Eingriffe in die Verkehrslenkung müsste laut Groth die Stadt zahlen. „Es wird undramatischer werden und zu weniger lenkenden Maßnahmen kommen, als Sie jetzt befürchten“, sagte er zur Fragestellerin.

Hubschrauber steuern nur Oldenburg und Bremen an

Zum oft geforderten Hubschrauberlandeplatz erläuterte Fricke, dass die Auflagen für diese massiv verschärft worden seien und viele Krankenhäuser überlegten, ob sie ihre noch weiter vorhalten. Breidenbach erklärte, dass es an der Wildeshauser Straße im Durchschnitt vier Hubschrauberlandungen im Jahr gibt, fast ausschließlich, um Patienten zu verlegen. Der am Klinikum Links der Weser stationierte Hubschrauber steuere dieses Ziel oder das Klinikum Oldenburg, beide Häuser mit Maximalversorgung an. „Wir sind kein Maximalversorger und werden nie einer sein“, sagte Breidenbach.

Ein Überblick über die Fragen und die Antworten bei der Veranstaltung ist hier nachzulesen: Fragen und Antworten zum Neubau des Josef-Hospitals